Bad Hersfelder Festspiele gastierten mit Theaterstück in der Melsunger Stadtkirche

Im Versteck von Anne Frank

Grandios gespielt: Maddalena Noemi Hirschal überzeugte mit ihrer Darstellung der Anne Frank. Foto: Dürr

Melsungen. Eine Metallkonstruktion über drei Etagen, schmale Treppen, die Räume gerade so hoch, dass Anne Frank (gespielt von Maddalena Noemi Hirschal) darin stehen kann.

Das ist die Requisite für das „Tagebuch der Anne Frank,“ das am Donnerstag als Gastspiel der Bad Hersfelder Festspiele in der Stadtkirche in Melsungen aufgeführt wurde. Schnell gelang es der Hauptdarstellerin Hirschal, die Zuschauer in den Bann der Geschichte zu ziehen. Erschütternd spielte sie ein Dokument der Judenverfolgung durch Deutschland.

Erzähler Heinrich Cuipers führt in das Stück ein. Dann erhebt sich die Schauspielerin, die auf dem Dach der Konstruktion liegt. Sie erzählt und spielt, wie sie die immer größer werdende Einengung des Lebens der Juden in Holland erlebt, wo ihr Vater Mit-Inhaber einer Fabrik ist. Schließlich versteckt sich die Familie in einem Hinterhaus in Amsterdam. Anne vertraut alle ihre Erlebnisse, die Spannungen innerhalb der Gemeinschaft, Sehnsüchte, Wünsche ihrem Tagebuch an, das sie liebevoll Kitty nennt. Bedrückend das enge Zusammenleben zweier Familien mit drei Jugendlichen, zu denen später noch eine achte Person aufgenommen wird.

Fehlende Intimität, Lernen als einzige Unterhaltung, Zeitungen und englische Radiosender als Informanten – unter diesen Bedingungen schwanken die Bewohner zwischen Hoffnung und Depression. In all dem erweist sich Anne aber nicht als ängstlich: Sie ist stark und lebensfroh, voller Hoffnung auf eine gute Zukunft. Wie im Zeitraffer durchlebt sie innere Konflikte mit den Eltern, Erwachsenwerden und die erste Liebe mit Peter, dem Sohn der zweiten Familie. Und erstarrt, als das Versteck der Menschen durch einen Verrat entdeckt wird.

Erzähler Cuipers beendet die Geschichte: Alle werden in Konzentrationslager deportiert, Anne und ihre Schwester sterben in Bergen-Belsen an Diphterie. Einziger Überlebender in Auschwitz ist der Vater.

Nach langem, betroffenem Schweigen gab es tosenden Applaus mit Standing Ovations für ein grandios gespieltes Monologtheater unter der Regie von Holk Freytag. (zad)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare