Versteckspiel im Maisfeld: Wie sich ein Kleinbus selbstständig machte

+
Rückwärts ins Maisfeld: In der leicht abschüssigen Einfahrt rollte der Mercedes Vito von Lars Pflüger los. 

Niederelsungen. Drei Stunden blieb Lars Pflüger im Ungewissen. Drei Stunden lang war er in dem Glauben, sein erst wenige Wochen zuvor gekaufter Mercedes Vito sei gestohlen worden.

Am Samstag gegen 17 Uhr hatte der 40-jährige den silbernen Kleinbus in der Einfahrt an der Nothfelder Straße in Niederelsungen geparkt. In den Geschäftsräumen seiner Firma für Bürobedarf wollte er den Posteingang kontrollieren und einige private Dinge erledigen. Mehrfach lief er noch über den Hof zum Postkasten, wurde dabei auch von einer Nachbarin gesehen. Doch erst nachdem er ein drittes Mal herauskam, war sein Auto plötzlich weg.

Der 40-Jährige rief die Polizei, die mit drei Beamten den Fall aufnahm und sich im Ort nach dem verschwundenen Wagen auf die Suche machte. Auch ein Nachbar und Pflügers Vater beteiligten sich. Ergebnislos, der Wagen blieb verschwunden und wurde von der Polizei zur Fahndung ausgeschrieben.

Pflüger musste sich von seinem Vater nach Wolfhagen zu seiner Wohnung fahren lassen. Am Abend wollte er zum Viehmarkt. „Gegen halb neun rief mich dann mein Vater an und sagte, der Wagen sei wieder da“, sagt Pflüger. Auf die Frage wo das Auto denn gefunden worden sei, verstand Pflüger „in Malsfeld“. Erst im zweiten Anlauf hörte Pflüger richtig: Der Mercedes stand im benachbarten Maisfeld.

Ein Auto nimmt seinen Weg: Der Mercedes Vito von Lars Pflüger kam erst zwischen hohen Maispflanzen, rund 80 Meter tief im Feld zum Stehen. Da blieb er drei Stunden unbemerkt, bis ihn ein Jagdaufseher vom Hochsitz aus zufällig erspähte.

Offenbar hatte sich der Wagen selbstständig gemacht und war in der leicht abschüssigen Einfahrt ins Rollen gekommen. „Ich lege immer den Gang ein, wenn ich parke“, sagt Pflüger, „aber dieses Mal offensichtlich nicht.“ Rund 15 Meter aus der Einfahrt und über die Straße rollte der Vito bis zu einem kleinen Abhang am Rande des Maisfeldes. „Da muss er dann richtig Fahrt aufgenommen haben, gefunden haben wir ihn rund 80 Meter weit im Mais.“

Dort war das Auto an einer Stelle zum Stehen gekommen, wo die Pflanzen höher waren als das Auto, so dass von der Straße aus nichts erkennbar gewesen sei. Fatalerweise hatten sich die Pflanzen schnell wieder aufgerichtet. „Sowohl ich, als auch die Polizei haben ja in Betracht gezogen, dass der Wagen weggerollt ist. Aber es waren keine Spuren zu erkennen, außerdem ist der Wagen in einem Bogen gerollt“, sagt Pflüger.

Das Geheimnis auflösen konnte dann erst der Jagdaufseher, der zufällig von seinem Hochsitz aus ein Loch im Maisfeld sah. „Der hat sich gedacht, dass das nicht nach Wildschaden aussah“, sagt Pflüger. Aus dem Fenster im Obergeschoss des Hauses löste eine Anwohnerin dann das Rätsel um den verschwunden Wagen. Der blieb übrigens ohne Schaden.

Am Abend mussten die Beamten dann ein weiteres Mal nach Niederelsungen ausrücken. „Ich hatte der Polizei die Polizei die Schlüssel ausgehädnigt“, sagt Pflüger, „und die haben sie mir dann zu zweit zurückgebracht.“

Von Lasse Deppe

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare