Vertriebene Christa Metz lebte im Hessenkrug in Viesebeck

Alte Erinnerungen: Im Hessenkrug in Viesebeck wurde Christa Metz mit ihrer Familie als Flüchtlinge und Heimatvertriebene aufgenommen. Die 76-Jährige hat 10 Jahre in diesem Haus gewohnt. Am Sonntag erzählte die Wolfhagerin beim Neujahrsempfang der Vereine im Hessenkurg von ihren Erlebnissen. Fotos: Uminski

Viesebeck. Die freundlichen Augen von Christa Metz blinzeln durch die Brille. Die 76-Jährige, für die Wolfhagen zur zweiten Heimat geworden ist, erzählt von ihrer Flucht als Kind.

Christa Metz, geborene Schölzel, musste als sechsjähriges Mädchen das idyllischen Dorf Langenbielau in Niederschlesien mit ihren fünf Geschwistern und ihrer Mutter über Tschechien nach Bayern verlassen. Drei Jahre später fanden Familie Schölzel und viele andere Flüchtlinge und Heimatvertriebene im Hessenkrug in Viesebeck ein neues Zuhause. Dort begannen für Christa Metz, ihre zwei Geschwister und Eltern ein neues Leben.

Viele Erinnerungen und Geschichten sind für Christa Metz auch heute noch sehr lebendig. „Ich kann mich daran erinnern, als wir an der Tür unseres Hauses standen und sahen, wie Breslau bombardiert wurde“, sagt die Wolfhagerin. Die Familie hatte nicht viel Zeit zum Überlegen, floh nur mit den Anziehsachen, die sie am Leib trugen, in einer Nacht- und Nebelaktion mit anderen Familien. „Das Schlimmste für mich war, dass ich meine Puppe zurücklassen musste“, sagt Christa Metz. Die Puppe hatte sie kurz zuvor von ihrer Schwester zu Weihnachten geschenkt bekommen, die dafür extra ihre geliebten Skier verkaufte.

„Wir haben die Puppe im Kohlekeller in ihren Puppenwagen gelegt und zugedeckt“, erinnert sich die 76-Jährige. Damals war sich Christa Metz sicher, dass sie an diesen Ort zurückkehren wird und ihre geliebte Puppe wieder in die Arme schließen kann. Doch Familie Schölzel kam nicht mehr wieder. Nach einer Woche Zugfahrt in eine ungewisse Zukunft erreichte sie Talberg bei Passau in Niederbayern. „Wir hatten sechs Wochen Zeit uns zu überlegen, ob wir zurückgehen“, sagt die Wolfhagerin. Die Entscheidung für ihre Mutter stand aber bereits fest.

Nach drei Jahren in Niederbayern kam ihr Vater aus seiner französischen Gefangenschaft nach Kassel Waldau. „Unser Vater holte uns nach Wolfhagen, weil er hier Arbeit gefunden hat.“ Der erneute Bruch im Leben der damals 10-jährigen fiel Christa Metz nicht schwer. Talberg sei so abgelegen, die Sprache schwer zu verstehen und alles sehr streng gewesen, erinnert sich die 76-Jährige. „Wir wussten, dass wir in Wolfhagen wieder alle zusammen sind.“ Doch im Hessenkrug war der Anfang alles andere als einfach. „In dem Zimmer waren nur Strohsäcke, die wir noch befüllen mussten.“

Hintergrund:

Insgesamt lebten acht Familien im Hessenkrug. Der damalige Bürgermeister Johannes Möller sorgte dafür, dass alle Kinder von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen bei Bauernfamilien ein Mittagessen bekamen. „Ich ging nach der Schule zur Familie Markus“, sagt Christa Metz. Die Erinnerungen an die 10 Jahre im Hessenkrug sind sehr positiv.

„Durch die Leute war im Hessenkrug immer was los.“ Mit 20 heiratete Christa Metz ihren Mann und zog vor 56 Jahren nach Wolfhagen.

Von Johanna Uminski

Quelle: HNA

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