Landgericht

Keine Hinweise auf Vergewaltigung - für Verurteilung fehlte Basis

Melsungen / Kassel. „Ich bedanke mich dafür, dass Sie die Wahrheit herausgefunden haben“, sagte der 34-jährige Türke aus Melsungen am Donnerstag am Ende eines Prozesses, in dem ihm Körperverletzung und Vergewaltigung seiner früheren Frau vorgeworfen worden war.

Die 3. Strafkammer des Kasseler Landgerichts sah am Ende eines dreitägigen Prozesses keinerlei Hinweise dafür, dass die Vorwürfe der Ex-Frau des Angeklagten zutreffend sein könnten. Verdichtet hatten sich indes aus der Sicht des Gerichts die Anzeichen dafür, dass die 28-Jährige ein gehöriges Maß an Eigeninteresse gehabt haben könnte, ihren Ex-Mann nach der Scheidung anzuzeigen, denn da drohte ihr die Abschiebung.

Die Hochzeit der beiden war arrangiert worden, der Angeklagte hatte seine Frau aus der Türkei nach Deutschland geholt. Ihre Erwartungen, hier ein modernes und aufgeklärtes Leben führen zu können, erfüllten sich jedoch nicht, denn ihre Schwiegereltern, mit denen sie und ihr Mann unter einem Dach lebten, hatten eher konservative Ansichten.

Frauenhaus

Sie hatte gegenüber der Polizei behauptet, ihr Mann habe sie mehrfach geschlagen, an den Haaren gezogen und mit Gegenständen nach ihr geworfen, außerdem habe er sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Sie war dann in ein Frauenhaus gegangen. Für die Misshandlungen hatte sie Zeugen benannt, denen sie von den Vorfällen erzählt haben will.

Doch diese Zeugen konnten vor Gericht nichts davon bestätigen, auch der Frauenarzt, bei dem sich die 28-Jährige in Behandlung befand, hatte keine Hinweise auf solche Vorfälle. Im Scheidungsverfahren und bei der Ankunft im Frauenhaus kamen – wie Zeugen bestätigten – solche Vorwürfe nicht zur Sprache.

Erst als es nach der Scheidung um den künftigen Aufenthaltsstatus der Frau ging, äußerte sie die Vorwürfe gegenüber ihrem Mann. Für den Vorsitzenden Richter Wolf Winter lag der Zusammenhang zwischen der Strafanzeige und dem Bleiberecht auf der Hand.

Auffällig fand er unter anderem, dass sich die 28-Jährige gar nicht habe scheiden lassen wollen, sondern am Ende lediglich der Scheidung zugestimmt habe.

Konfliktgeladene Beziehung

Die Beziehung der beiden, gestand Winter zu, sei „konfliktgeladen“ gewesen. Die gebildete Ehefrau sei in eine traditionell lebende Familie gekommen, der Angeklagte habe da förmlich zwischen den Stühlen gesessen.

Das Gericht wollte deshalb nicht ausschließen, dass es in der Folge zu Körperverletzungen gekommen sein könnte, „doch konkret feststellen können wir das nicht“, so Winter. Für eine Verurteilung des Angeklagten fehle die Basis, deshalb sah das Gericht keinen anderen Weg als ihn freizusprechen. (pas)

Quelle: HNA

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