"Unglaublich witzig und trinkfest"

Mit dem Onkel in den Zoo: Verwandter von Grzimek wuchs in Trutzhain auf

Mit Gorillas: Der Zoologe Bernhard Grzimek (rechts) und sein Sohn Michael stehen im Juli 1955 neben einem Globus und betrachten den afrikanischen Kontinent. Mit dabei sind die beiden Gorillas, die im Haus Grzimek aufgezogen wurden. Foto: dpa

Trutzhain. Der vielbeachtete ARD-Film mit Ulrich Tukur als Hauptdarsteller widmete sich am Karfreitag dem Leben des Zoologen Bernhard Grzimek. Ein Verwandter des Tierverstehers ist unmittelbar mit der Schwalm verwoben.

Denn geboren wurde der Autor und Schriftsteller Martin Grzimek 1950 in Trutzhain: Er wuchs dort als jüngster von vier Söhnen einer neu angesiedelten schlesischen Flüchtlingsfamilie im vormaligen Gefangenenlager auf. Sein Abitur absolvierte Grzimek an der Melanchthon-Schule im Steinatal. 1984 erschien sein Buch über Trutzhain. Zuletzt besuchte der Autor 2012 die Schwalm, las in der Schule. Besonders lebhafte Erinnerungen habe er an eben diese Zeit, erzählte er damals.

„Onkel Bernhard war unglaublich witzig. Und trinkfest. Ein, zwei Wodka zum Abschluss des Tages gehörten dazu.“

Mit Bernhard ist Martin Grzimek direkt verwandt: „Unsere jeweiligen Urgroßväter waren Brüder, ich sagte zu ihm Onkel Bernhard“, erzählt der Schriftsteller. In Kontakt seien er und seine Eltern mit ihm auf den Familientagen der Grzimeks gekommen. Die fänden bis heute alle zwei Jahre statt. „Ziel war es, die nach dem Krieg in alle Winde zerstreuten Familienmitglieder - alle Grzimeks sind, salopp gesagt, verwandt - jeweils zu Pfingsten zusammenzuführen“, erzählt der heute 64-Jährige. In seiner Kindheit und Jugendzeit fanden die Treffen bei Frankfurt statt. „Wenn Onkel Bernhard da war, machte er am Pfingstsonntag meistens eine Führung durch den Zoo.“

Zu Gast in der Schwalm: Unser Foto von Martin Grzimek entstand 2012 in der Kasseler Straße in Ziegenhain. Foto: Rose

Näher kennengelernt habe er ihn auf einer Reise nach Polen Mitte der achtziger Jahre. Damals sei die Familie auf ihren eigenen Spuren gewandelt, habe Krakau, Breslau und Auschwitz besucht, auch um frühere Besitztümer zu sehen. „Onkel Bernhard war unglaublich witzig. Und trinkfest. Ein, zwei Wodka zum Abschluss des Tages gehörten dazu. Dabei war er trotzdem am nächsten Morgen sehr diszipliniert und machte seine Freiübungen. Er war ein drahtiger Mann“, erzählt Martin Grzimek. Auf der Reise habe man permanent anhalten müssen, wenn der Onkel vom Busfenster aus Gänse oder Störche erblickte. „Dann sprang er raus und fotografierte.“

Wenn man in Städten unterwegs gewesen sei, habe Onkel Bernhard Aufkleber verteilt. „Darauf war dann zu lesen, dass die Tierwelt gerettet werden muss. Die sollten wir auch verteilen“, erinnert sich der Autor. Denn bei allem Sinn für Humor sei der Zoologe immer auch ein kritischer, bisweilen streitbarer Geist gewesen. Teil der Familientreffen sei auch später gern ein Rundgang durch den Frankfurter Zoo gewesen. Grzimek erinnert sich an eine Anekdote: Voller Stolz habe der Onkel sein Lieblingstier, Nilpferd Rosa, gezeigt. Just im Moment der vollständigen Bewunderung habe das Tier sich jedoch vor den Augen der Familie erleichtert. „Darüber hat Onkel Bernhard herzhaft gelacht und das Ganze mit dem passenden Spruch kommentiert.“ Bis ins hohe Alter sei der Onkel quasi „permanent im Flugzeug und zum Drehen“ unterwegs gewesen. „Er war einer der charismatischsten Menschen, die ich kennen gelernt habe“, sagt Martin Grzimek.

Quelle: HNA

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