Bislang zwölf Lizenz-Anträge eingegangen

"Ausführung kompliziert": Verwirrung um neue Hundetrainerlizenz

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Verwirrung um neue Hundetrainerlizenz

Schwalm-Eder.  Personen, die ein Gewerbe zur Hundeausbildung angemeldet haben, müssen seit August einen Nachweis erbringen, dass sie qualifiziert sind. Das Problem: Die zuständigen Behörden wissen noch gar nicht, wie genau die Nachweise erbracht werden sollen.

Mit dem Gesetz soll die Qualität der Arbeit sichergestellt werden. Denn bisher gab es keine einheitliche Regelung im Bereich der Hundetrainerausbildung.

Zwölf Anträge für eine Lizenz sind bereits beim Landkreis eingegangen. Wann diese geprüft und erteilt werden, ist aber unklar.

Beim Veterinäramt ist die Überprüfung angesiedelt. „Der Aufwand und die Kosten sind viel zu hoch für die Ämter und die Betroffenen“, sagt dessen Chef Dr. Hans-Gerhard Heil. Bei dem neuen Gesetz handele es sich um eine gute Idee, doch die Ausführung sei zu kompliziert. Heil befürchtet, dass die Überprüfung für das Amt schwierig zu leisten sein wird. Nach seinen Schätzungen gibt es 20 bis 25 Gewerbe im Schwalm-Eder-Kreis, die eine Hundeausbildung anbieten. Bis eine Regelung gefunden ist, dürfen die Menschen, die bereits ein Gewerbe gemeldet haben, weiterarbeiten.

Hundetrainer mit eigenem Gewerbe brauchen von jetzt an eine Lizenz: Diese Neuregelung des Tierschutzgesetzes gilt seit dem 1. August. Bisher konnte jede Person ein Gewerbe anmelden, denn eine einheitliche Ausbildung zum Trainer gab es bisher nicht - doch viele Kommunen sind aktuell offenbar nicht in der Lage, dieses Gesetz umzusetzen.

Dr. Hans-Gerhard Heil, Leitender Veterinärdirektor, befürchtet, die Aufgabe nur mit Problemen bewältigen zu können. Das Veterinäramt ist für die Kontrollen und die Vergaben der Lizenzen zuständig.

Voraussichtlich müssen Hundetrainer verschiedene theoretische Tests und Prüfungen ablegen, um eine Lizenz zu erhalten. Es könnten auch Lehrgänge anstehen, falls die Qualifikation als nicht ausreichend bewertet wird.

„Die Modalitäten werden derzeit geprüft“, sagt Heil. Mit den Prüfungen und Lehrgängen könnten auch Kosten für die Antragsteller entstehen - die Rede ist im schlimmsten Fall von bis zu 900 Euro. Welche Trainer mit welchem fachlichem Hintergrund davon betroffen sind, ist noch unklar. Ausgenommen sind laut Dr. Heil aber Tierärzte und Tierpfleger.

Abschluss: Hundefachwirtin 

Corinna Bachmann, die in Körle lebt und seit 2002 die Hundeschule „flying paws“ (fliegende Hunde) betreibt, hat zum Beispiel einen Abschluss der Industrie- und Handelskammer Potsdam als Hundefachwirtin.

Ob sie noch einen Lehrgang beziehungsweise eine Prüfung ablegen muss, weiß sie nicht. „Ich habe im Juni den Antrag beim Veterinäramt gestellt“, sagt Bachmann.

Erfahren habe sie von dem neuen Gesetz aber nicht vom Amt, sondern eher zufällig vom Fachverband der Hundeerzieher. „Seitdem habe ich aber nichts mehr gehört“, sagt die Hundetrainerin, die in Melsungen Kunden im Einzeltraining oder auch in Gruppen betreut. Eine erneute Prüfung „wäre ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, die sich schon über Lehrgänge qualifiziert haben“, findet Bachmann. „Das wäre unfair.“ Grundsätzlich hält es die 37-Jährige aber für sinnvoll, die Qualifikation einiger Hundetrainer zu überprüfen. Denn in den vergangenen Jahren habe sich einiges im Bereich der Hundeforschung verändert.

Katastrophen in Kursen

Ebenfalls einen Antrag gestellt hat Markus Viehmann, der eine Hundeschule in Frielendorf betreibt. „Ich finde es gut, dass eine Lizenz eingeführt wird“, sagt der 44-Jährige.

Er habe es häufiger erlebt, dass Menschen sich in dem Feld betätigten, aber nicht qualifiziert seien. „Das war eine Katastrophe, was in diesen Kursen vermittelt wurde“, sagt er.

Seit seinem 15. Lebensjahr habe er sich mit Hunden beschäftigt. Später legte er eine Prüfung beim Verband Hessischer Hundeschulen ab.

Er schränkt hinsichtlich der neuen Regelung aber ein: „Es soll einen Bestandsschutz für Hundeschulen geben, die schon länger dabei sind.“ Neue Schulen sollten aber überprüft werden.

Von Max Holscher

Quelle: HNA

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