Walter Hollstein spielt das Instrument heute seit 60 Jahren – in vier Gemeinden tätig

Ein Veteran an der Orgel

Leidenschaftlicher Musiker: Walter Hollstein an der Orgel in seiner Heimatkirche in Vockerode, wo er vor 60 Jahren das erste Mal spielte. Foto: Hohagen

Vockerode. Ohne Orgel wäre Walter Hollstein nicht vollkommen. Das Musikinstrument gehört zum Leben des 76-Jährigen wie seine Familie, sein Ehering und seine Zahnbürste – und das heute seit 60 Jahren.

In mittlerweile vier Gemeinden spielt der leidenschaftliche Musiker Sonntag für Sonntag bei den Gottesdiensten das Kircheninstrument. „So lange ich denken kann, blieb deshalb wenig Zeit für private Angelegenheiten, aber die Freude an der Musik hat mich für alle Mühe entschädigt“, bringt es Walter Hollstein auf den Punkt.

Der gebürtige Vockeröder erinnert sich noch gut an seinen allerersten Auftritt, an den 3. März vor 60 Jahren. „Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen“, erzählt Hollstein. „Ich war mit meiner Ausbildung zum Organisten noch gar nicht fertig, da musste ich als 16-Jähriger überraschend beim Gottesdienst in der Kirche in Vockerode einspringen.“ Obwohl er seit seinem 12. Lebensjahr mit dem Klavierspielen vertraut gewesen und mit Musik aufgewachsen sei, habe er zu diesem Zeitpunkt noch nicht geahnt, dass aus dem Orgelspiel eine Lebensaufgabe würde.

Orgelspiel in vier Gemeinden

Von nun an war Walter Hollstein verantwortlich für die musikalische Gottesdienstbegleitung in Vockerode. 12 Jahre später kam die Organistenstelle in Weidelbach hinzu, nochmal sieben Jahre danach die in Bischofferode – und zu guter Letzt übernahm er, zunächst gemeinsam mit seiner Tochter Thea, 1985 das Orgelspielen in der Gemeinde Pfieffe. Nicht selten animierte er dabei mit seinem Gesang von der Orgelempore aus die Gemeinde zum Singen.

„Ohne eine solche Familie hätte ich meiner Leidenschaft nie so nachgehen können.“

Walter Hollstein

Seit 60 Jahren spielt Walter Hollstein Orgel an Sonntagen, an Heiligabend, auf Hochzeiten, bei Beerdigungen – „und jeden Tag an seiner Orgel zuhause“, ergänzt seine Frau Elfriede Hollstein. Ihren Mann gab es nur mit der Musik und den Gottesdiensten im Doppelpack. Sie unterstützt ihn seither und versucht ihm den Rücken freizuhalten. Sonst hätte ihm immer etwas gefehlt, sagt sie. Dafür will sich Walter Hollstein bedanken: „Ohne eine solche Familie, hätte ich meiner Leidenschaft nie so nachgehen können“.

Auch in der Politik engagiert

Die Familie hat auch noch einige andere Vorlieben des früheren Landwirtes mitgetragen. Walter Hollstein war 38 Jahre lang für die CDU aktiv, 23 Jahre davon Ortsvorsteher. Der Vater zweier Töchter sang in Chor und Gesangverein und war lange aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr.

Und weil das Orgelspiel Teil seines Lebens ist, möchte er auch noch nicht ans Aufhören denken. „Solange es meine Gesundheit noch erlaubt und die Finger sich bewegen, spiele ich“, sagt der Musiker. In die Zukunft blickt er dennoch mit Sorge. Nicht nur die Zahl der Gottesdienstgänger habe über die Jahre stark abgenommen, auch an Nachwuchsorganisten mangelt es.

Zu Ehren des Organisten wird am 22. Mai in der Pfieffer Kirche ein Jubiläumsgottesdienst gehalten. Schließlich gibt es laut Meinung einiger Experten der Besuchskommission aus dem Kirchenkreis Melsungen „vermutlich nicht viele Menschen, die ihren Dienst auf der Kirchenbank mit so viel Hingabe, Ausdauer und Liebe tun“.

Von Julia Hohagen

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare