Gewerkschaft: Arge vermittelt Erwerbslose an Firmen, die schlecht bezahlen

Viel Arbeit und wenig Geld

Protest: Ausstand der Mitarbeiter der Bettenwelt im vergangenen Jahr vor dem Dänischen Bettenlager in Homberg. Archivfoto: Quehl

Schwalm-Eder. Verwunderung und Unmut hat bei verdi die Vermittlungspraxis der Arbeitsförderung Schwalm-Eder (Arge) ausgelöst. Sie hatte einen Hartz IV-Empfänger als unbezahlten Praktikanten an ein Logistik-Unternehmen vermittelt, der als Subunternehmer des Hamburger Dienstleisters HBV Hanseatic für die Bettenwelt in Homberg arbeitet. Eine Vorgehensweise, die für die Dienstleistungsgewerkschaft nicht akzeptabel ist.

Der Fall: Peter K. hatte sich nach seiner Kündigung selbstständig gemacht, war aber gescheitert. Wie die HNA berichtete, wurde er von der Arge Schwalm-Eder zu einem Praktikum an das Logistik-Unternehmen Olaf S. vermittelt, das für die Bettenwelt in Homberg arbeitete.

„Die Arge Schwalm-Eder sollte an unseriöse Firmen keine Arbeitnehmer vermitteln.“

Michael L. Sauer, Verdi-NordHessen

Lohn sollte es während des zweiwöchigen Probearbeitens nicht geben. Danach sollte er einen Leistungs-/Stücklohn von 7,50 Euro pro Stunde erhalten. S. wollte sich damals zu dem Fall nicht äußern.

Die Gewerkschaft: Die Vermittlung von Peter K. rief bei der Gewerkschaft verdi Kritik hervor. Denn nach Meinung von Michael L. Sauer, Sprecher von verdi Norhessen, sollte eine falsche Lohnentwicklung in der Branche nicht durch die Vermittlung der Arge unterstützt werden. „Nach dem Tarifvertrag liegt das Stundenbrutto für eine derartige Arbeit bei 10,40 Euro.“ Gezahlt würden dort Löhne, die darunter liegen. Die Arge sollte an „unseriöse Unternehmen keine Arbeiternehmer vermitteln“.

Nun will verdi Nordhessen mit Landrat Frank-Martin Neupärtl und dem Leiter der Arge Schwalm-Eder, Hans-Gerhard Gatzweiler, sprechen. Das Ziel: Die Arbeitsgemeinschaft soll genau hinsehen, an welche Firmen sie Arbeitslose vermittelt. In Kassel sei nach Protetesten der Gewerkschaft die Vermittlung geändert worden.

Der Landrat: „Sollte die Kritik von verdi Nordhessen über die Vermittlungspraxis zutreffen, müsste sie geändert werden“, kommentierte Landrat Frank-Martin Neupärtl, der Vorsitzender der Trägerversammlung der Arge ist. Seiner Ansicht nach dürften solche Praktiken, nicht mit Steuergeld gefördert werden.

Die Arbeitsgemeinschaft (Arge): Von Aufklärungsbedarf im Fall Peter K. spricht Leiter Hans-Georg Gatzweiler. Das Logistik-Unternehmen S. unterliege in der Tat keinem Tarifvertrag. Von sittenwidrigen Löhnen sei ihm jedoch nichts bekannt. Zu klären sei, wie viel Geld am Monatsende den Angestellten bleibe.

Doch die Arge sei in einer Zwickmühle. „Wenn die Bedingungen vernünftig sind, müssen wir vermitteln.“ Und bei S. habe es sogar eine Festanstellung gegeben. Zur Bezahlung könne er nichts sagen. Es könnten 7,50 Euro sein. Ein Lohn, der von den Gewerkschaften bislang als Mindestlohn gefordert wurde.

Von Rainer Schmitt

Quelle: HNA

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