Melsungen: Viel Geld für die Kirche

Sigurd Sadowski

Melsungen. Der Gotteslohn reicht ihnen. 25 000 Euro spendeten Christen aus Melsungen im vergangenen Jahr ihrer Evangelischen Kirchengemeinde als freiwilligen Beitrag. Einfach nur, weil sie denken, dass das Geld dort gut verwendet – und gebraucht wird.

Und das, obwohl sie außerdem noch die gesetzliche Kirchensteuer bezahlen.

Diese erstaunlich hohe Summe nannte Pfarrer Sigurd Sadowski. Die Spenden erreichten die Evangelische Kirchengemeinde Melsungen ganz individuell: anonym oder mit Namensnennung, per Dauerauftrag oder als Einzelspende, aus Anlass eines runden Geburtstages oder einfach nur so, als einstelligen Betrag oder großzügig mit mehreren Nullen hintendran.

Was den Geistlichen am meisten überrascht, ist nicht allein die Großzügigkeit, sondern auch die Motivation, aus der heraus das Geld gegeben wird. Während manche Spender ganz konkret wissen wollen, was mit dem Geld passiert, gibt es zum Erstaunen des Pfarrers viele andere, die ganz bewusst keinen Verwendungszweck nötig finden. „Ihr braucht doch auch Verfügungsmittel“, hört Sadowski manchmal und freut sich über diese „weise Sicht“.

Schließlich gebe es einen gewählten Kirchenvorstand und gewählte Pfarrer, die mit dem Geld behutsam umgingen und am Jahresende müsse ohnehin ein Rechenschaftsbericht erstellt werden. Und so ist einfach eine Reserve übrig, wenn das Bastelmaterial beim Kindergottesdienst nicht reicht, weil so viele Mädchen und Jungen gekommen sind. Oder wenn aus dem Konfirmandenunterricht heraus spontan ein Projekt entsteht, das einen Zuschuss braucht.

Etwa Mitte April erhalten die Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde Melsungen einen Brief, in dem ihnen für 25 000 Euro Dankeschön gesagt wird. Zugleich bitten die Melsunger Pfarrer Dekan Rudolf Schulze, Sandra Scholz, Gerhard Peter, Maren und Sigurd Sadowski die Gemeindemitglieder auch für dieses Jahr wieder um einen freiwillligen Beitrag.

Für diejenigen, die es lieber konkret haben, stehen da auch die zwei Projekte drin, die dieses Jahr neben der allgemeine Gemeindearbeit unterstützt werden sollen: der Besuchsdienst und die  Hilfestellung in konkreten persönlichen Notlagen.

Da werden die Pfarrer oft an der Haustür überrascht, wenn jemand plötzlich in zumeist große finanzielle Not geraten ist. Meist reiche es, die Situation kurzfristig zu überbrücken, weiß Sadowski aus seiner Erfahrung. Da denkt er nicht an die Lebensmittelgutscheine für die Durchreisenden, die auch aus diesem Posten bezahlt werden, sondern vielmehr an den wegen Scheidung mittellosen Ehemann, die Familie mit vielen Kindern, denen der Verdiener abhanden gekommen ist oder einen Todesfall, der die Verbliebenen vor eine ganz neue Situation stellt.

Da müsse „von jetzt auf gleich“ geholfen werden. Ganz nach dem biblischen Motiv des barmherzigen Samariters. Der freiwillige Gemeindebeitrag macht’s möglich.

Quelle: HNA

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