Weidelbach hat eine gute Busverbindung und wieder einen Ortsbeirat – es fehlen Kinder und schnelles Internet

Weidelbach hat eine gute Busverbindung und wieder einen Ortsbeirat

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Am Feuerlöschteich: Ortsvorsteherin Manuela Krug-Bettenhausen am alten Löschteich, den Weidelbacher saniert haben.

Weidelbach. In Weidelbach gibt es fast so viel Federvieh wie Einwohner: Den 122 Weidelbachern stehen 100 Gänse und Enten im Garten von Karin und Joachim Sinning gegenüber. Hier ein weiterer Teil der Serie "Gespräche am Gartenzaun".

Karin und Joachim Sinning betreiben die Jausenstation Vockenberg-Hütte, und die ist für ihre Gänseessen bekannt.

Ansonsten sieht’s in Weidelbach mau aus mit Infrastruktur: Es gibt weder Kneipe, Bank, Post noch Laden, Arzt, Metzgerei. Dafür gibt es einen Vollerwerbslandwirt und fünf Höfe im Nebenerwerb.

„Wir wohnen sehr schön“, sagt Ortsvorsteherin Manuela Krug-Bettenhausen, „abgelegen und mit viel Grün drumherum.“ Die gebürtige Obermelsungerin kam vor 17 Jahren in den Spangenberger Stadtteil – der Liebe wegen. „Aber ich habe von Anfang an gesagt: Ich muss ein Auto haben.“ Die Busanbindung ist zwar ganz gut, an Schultagen fährt morgens stündlich der Bus, der letzte um 19 Uhr. Dennoch: Wer einkaufen will, muss zehn Kilometer in die Stadt fahren, schließlich ist Weidelbach der am weitesten entfernte Spangenberger Stadtteil. Meistens wird’s ein Großeinkauf. Fehlt dann doch mal Zucker, kann man beim Nachbarn fragen.

„Und wir haben eine gute Dorfgemeinschaft“, sagt die Ortsvorsteherin. Dies wird unter anderem beim Thema Friedhof deutlich, denn die Weidelbacher verwalten ihren Friedhof selbst. Stirbt jemand aus dem Dorf, heben Freunde und Nachbarn das Grab für den Verstorbenen aus.

Alteingesessene Weidelbacher beklagen hingegen, dass sich die Zeiten geändert haben: Saßen früher an Sommerabenden die Weidelbacher am alten Feuerlöschteich zusammen oder trafen sich bei Vereinsveranstaltungen, ist der Feuerlöschteich nur noch Treffpunkt für die wenigen Jugendlichen. Und der Besuch, etwa beim Grillen der Feuerwehr am 1. Mai, lässt ebenso nach.

Schnelles Internet

Kritik gibt’s auch in Sachen Internet. Einen Anschluss an eine schnelle Leitung gibt es nicht, die Weidelbacher müssen die Sache selbst in die Hand nehmen: entweder einen Stick in den PC stecken oder eine Schüssel dauerhaft auf dem Dach installieren. Richtig schnell ist keine der beiden Varianten. Auch in Sachen Handy gibt’s Schwierigkeiten, denn der Empfang wechselt, je nach Anbieter. Mit einem ist das Telefonieren nur an einer Stelle im Dorf möglich – und zwar auf dem Friedhof.

Apropos Nachwuchs: Der jüngste Weidelbacher wird bald drei Jahre alt. Er war das erste Baby im Dorf nach zehn Jahren. Und wenn das so bleibt, könnte es in Zukunft bald mehr Federvieh als Weidelbacher geben.

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

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