Wir stellen das Forstamt vor: Im Waldrevier Kirchhof stehen überwiegend Buchen

Ein H am Baum: Peter Katzmann, Förster des Reviers Kirchhof, markiert besondere Bäume mit einem H – das steht für Habitat-baum. Dieser darf nicht gefällt werden. Das kleine Bild zeigt einen ausgeprägten Chinesenbart. Foto: Feser

Kirchhof. In unserer neuen Serie stellen wir das Forstamt Melsungen mit seinen zwölf Revieren und den Besonderheiten in jedem Revier vor. Den Anfang macht im Januar die Revierförsterei Kirchhof. Dort ist Peter Katzmann Förster.

Im Wald wimmelt es von Chinesen, an jedem Baum sind welche, genauer gesagt Chinesenbärte. „So nennen wir die Astnarben bei den Buchen“, sagt Revierförster Peter Katzmann. Weil sie gebogen sind wie ein dünner Oberlippenbart eines chinesischen Kung Fu-Kämpfers. Und Buchen sind am häufigsten im Revier Kirchhof vertreten: mit 52 Prozent. Und alle Buchen haben Chinesenbärte.

Anhand diese herunterhängenden Linien kann Förster Katzmann erkennen, wie tief der Ast im Stamm steckt und wie stark der Ast an seiner Abbruchstelle war: „Je länger der Ast ab ist, desto flacher wird die Astnarbe, also der Chinesenbart.“ Mit richtigen Chinesen hat Förster Katzmann auch häufig zu tun. Die kaufen nämlich sein bestes Buchenholz, um daraus Furnier herzustellen. Dann muss der Förster mit ihnen im Wald am Stamm über den Preis verhandeln, auf englisch. Die Chinesen schätzen die Kirchhofer Buchen, und der Förster schätzt die Chinesen als Käufer.

Unverkäuflich hingegen sind Katzmanns H-Bäume. Das sind Buchen, an denen ein rotes oder grünes H gesprayt ist. Laut einer Richtlinie von Hessen Forst müssen pro Hektar mindestens drei Habitatbäume ausgezeichnet sein. Aufgrund seiner alten Buchenbestände stehen in Katzmanns Revier überdurchschnittlich viele H-Bäume: rund 1500. Sie sind meistens etwas abseits der Wege zu finden und haben einen Horstbau oder Höhlenspalten oder Astlöcher, die von Spechten zu Höhlen ausgebaut wurden. Sie sollen Lebensraum für den Rotmilan, Schwarzstorch, Kolkrabe, Waldohreule oder Fledermäuse bieten. Ein grünes oder rotes H können auch Bäume tragen , die bizarren Wuchs, Pilzkonsolen oder ein markantes Erscheinungsbild haben.

Sie werden gefördert, indem nebenstehende Bäume, so genannte Bedränger, entfernt werden. Habitatbäume dürfen übrigens nicht gefällt werden, sondern bleiben so lange stehen, bis sie umfallen. Und dann werden sie nicht entfernt, weil sie dann den Lebensraum für Käfer und Insekten bilden, die den Baum zersetzen. Von den Chinesenbärten ist dann garantiert nichts mehr zu sehen.

Das Forstamt: 

Das Forstamt Melsungen besteht aus zwölf Revieren: Altenbrunslar, Beuern, Eiterhagen, Fahrenbach, Kaltenbach, Kirchhof, Landefeld, Melsungen, Morschen, Schwarzenberg, Spangenberg und Wellerode. Forstamtsleiter ist Christian-Peter Foet. Es gibt zwölf Revierleiter, 22 Forstwirte und fünf Forstamtsmeister.

Das Gebiet umfasst 20 500 Hektar Wald, davon 15 000 Hektar Staatswald, 2800 Hektar Privatwald und 2500 Hektar Kommunalwald

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

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