Aussetzung der Präsenzpflicht ist Herausforderung für Schulen

Viele Klassenzimmer im Kreisteil Melsungen bleiben wegen Corona derzeit leer

Leeres Klassenzimmer
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So sieht es derzeit in vielen Grundschulen aus: Auch im Kreisteil Melsungen werden die meisten Schüler zuhause betreut. Das Symbolfoto zeigt eine Schule in Niedersachsen.

Wegen der Corona-Pandemie ist die Präsenzpflicht für Schüler bis zur sechsten Klasse ausgesetzt. Die meisten Eltern im Kreisteil lassen ihre Kinder zuhause.

Melsungen – Die Schulen im Kreisteil Melsungen stehen mit dem Aussetzen der Präsenzpflicht für Kinder bis zur Klasse sechs derzeit vor großen organisatorischen Herausforderungen. Ein besonders schwerwiegendes Problem liegt laut den Lehrern jedoch an anderer Stelle. Den Schülern könne man zwar Wissen auf Distanz vermitteln, aber das Fehlen der sozialen Kontakte sei verheerend.

An der Astrid-Lindgren-Schule, Grundschule in Malsfeld, laufe die Organisation ohne Probleme, sagt Leiterin Pia Auell. 20 von 135 Kindern besuchten zu Beginn der ersten Schulwoche den Präsenzunterricht. Die Lehrer seien in zwei Gruppen eingeteilt. Sie unterrichten im täglichen Wechsel an der Schule beziehungsweise von zuhause aus, sagt Auell. Die Lehrer, die zuhause arbeiten, betreuen die Schüler im Distanzunterricht.

Der Distanzunterricht klappe dank einer Lernplattform, die die Schule nach dem ersten Lockdown im Frühjahr angeschafft hat, äußerst gut. „Der Austausch zwischen Schülern, Lehrern und Eltern klappt darüber sehr gut“, sagt Auell. Deshalb verzichteten auch viele Eltern darauf, ihre Kinder in die Schule zu schicken und zögen das Homeschooling vor. „Ich habe insgesamt das Gefühl, dass die Eltern jetzt entspannter sind als im ersten Lockdown“, sagt die Schulleiterin. Die Plattform biete die Möglichkeit, sehr eng miteinander zusammenzuarbeiten. Verheerend seien für die Schüler aus ihrer Sicht allerdings die fehlenden Sozialkontakte. „Die Kinder lechzen regelrecht nach Kontakt. Sie freuen sich auch immer sehr, wenn eine Videokonferenz ansteht.“ Leider könne man damit den richtigen Kontakt zu Mitschülern und Lehrern nicht ersetzen.

An der Georg-August-Zinn-Schule in Morschen zeichnet sich bei der Schülerzahl ein ähnliches Bild wie in Malsfeld ab. Elf von 93 Kindern besuchen den Präsenzunterricht, sagt Schulleiter Michael Appel. Im Gegensatz zu den großen Schulen hielten sich in Morschen die Probleme mit der Organisation noch in Grenzen, sagt Appel.

30 von 200 Grundschülern werden aktuell an der Schule am Schloth in Melsungen unterrichtet, der Rest lernt zuhause. Wer keine Endgeräte hat und auch keines von der Schule ausleihen konnte, wird in der Schule unterrichtet. Auch wenn dieses Modell für Schulleiterin Karin Muche „der Gau“ ist – sie hatte gehofft, dass ein Wechselunterricht möglich sei – klappe es gut. „Ohne die Unterstützung der Eltern geht es aber nicht.“

Problematisch sei, dass die Kommunikationsplattform Schoolcloud zeitweise völlig überlastet war. Deshalb konnten viele Schüler ihre Arbeitsleistungen den Lehrern nicht schicken. Die Schule könne nicht die komplette Stundentafel abbilden, es würden nur die Hauptfächer und Sachkunde bearbeitet. „Die Eltern sollen keine Hilfslehrer sein, und wir dürfen die Systeme zuhause nicht überfordern.“

Fakt sei, dass „wir gut aufpassen müssen, keine Kinder zu verlieren“, sagt Muche, „denn je jünger Kinder sind, desto wichtiger ist es, dass sie zusammen kommen.“ Ein strukturierter Unterrichtsalltag sei wichtig für Kinder. Im vergangenen Jahr habe es nach Lockdown und Aussetzung der Präsenzpflicht beim Schulstart nach den Sommerferien drei, vier Wochen gedauert, bis alle Kinder wieder richtig im Unterrichtsalltag angekommen seien. (Claudia Feser , Carolin Hartung)

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