Schwalm-Eder: Nach Afghanistan-Einsatz drohen psychische Störungen

Schwalm-Eder. Rein statistisch müssen 45 Soldaten aus Schwarzenborn und Fritzlar mit psychischen Störungen rechnen, wenn sie im September aus Afghanistan zurückkehren.

Es sei davon ausgehen, dass neun Prozent der Einsatzkräfte an der Posttraumatischen Belasstungsstörung (PTBS) litten, sagten Dr. Catri und Dr. Michael Tegtmeier.

Das Ehepaar aus Fritzlar, sie ist Psychiaterin und er Oberst im Generalstab und Sozialpädagoge, haben ein Buch zum Thema PTBS geschrieben. Die Zahl von neun Prozent sei dabei noch eine eher konservative Schätzung, sagt Michael Tegtmeier. Andere Untersuchungen, etwa bei US-Soldaten, die in Irak und Afghanistan eingesetzt waren, gingen von einer Quote von 20 Prozent aus. Von amerikanischen Vietnamveteranen seien sogar 30 Prozent betroffen.

Die Erkrankten erleben ihr traumatisches Erlebnis, das kann etwa ein Bombenanschlag gewesen sein, im Geiste immer wieder („Flashback“). Dafür gibt es bestimmte Auslöser, typischerweise Brandgeruch oder Glas-Klirren.

Panik, Reizbarkeit, Müdigkeit, Leistungseinbruch können die Folgen sein. Die Betroffenen ziehen sich oft aus Leben zurück, die Suizidgefahr steigt deutlich. Häufig sind andere psychische Erkrankungen mit der PTBS verbunden, dazu können Depressionen, Angststörungen und Phobien gehören.

Die Bundeswehr reagiert: Bevor die Soldaten in die Heimat zurückkehren, werden sie im Einsatzland psychologisch vorbereitet, sagt Major Dominic Grindel von der Bundeswehr in Fritzlar. Die meisten machten Urlaub, bevor sie zu einem dreitägigen Nachbereitungsseminar reisten.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Bernd Siebert (Mitglied im Verteidigungsausschuss) sagte, die Bundeswehr sei lange nicht ausreichend auf PTBS vorbereitet gewesen. Jetzt gehe man das Problem engagiert ein, sei aber noch nicht am Ziel.

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Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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