Neben HIV steigt auch Zahl der Syphilis-Fälle

Viele zu sorglos beim Sex: Fast tot geglaubte Seuche ist zurück

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Kondome bieten den besten Schutz für sich und andere: Denn Vorsicht - Syphilis, HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten sind wieder auf dem Vormarsch.

Wolfhager Land. Die Deutschen scheinen beim Sex zu sorglos zu sein, befürchtet Dr. Markus Schimmelpfennig, der Leiter des Hygienischen Dienstes vom Gesundheitsamt Region Kassel.

Denn nicht nur die Zahl der HIV-Neudiagnosen stieg in den vergangenen fünf Jahren an, auch die Zahl der in Deutschland gemeldeten Syphilis-Fälle ist im vergangenen Jahr deutlich nach oben geschnellt.

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Genau wie eine Infektion mit dem HI-Virus, ist auch die Ansteckung mit Syphilis meldepflichtig - aber nur anonym, so dass kein Rückschluss auf die Entstehung möglich ist. 4410 Infektionen wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) 2012 gemeldet. Das sind 706 mehr als im Vorjahr und damit ein Anstieg um 19 Prozent, wie aus dem aktuellen Infektionsepidemiologischen Jahrbuch des RKI hervorgeht. Damit bestätigt sich der Trend der vergangenen Jahre: Die Syphilis kehrt offenbar wieder zurück.

Auch in den ersten Monaten dieses Jahres wurden laut RKI bereits höhere Syphilis-Zahlen gemeldet als im Vorjahr. Wie die Auswertung der anonymisierten Meldebögen im Robert-Koch-Institut ergeben hat, gab es 2013 im ersten Quartal bereits elf neue Syphilis-Infektionen im Postleitzahlengebiet 34. 2008 hat es 15 Fälle, 2009 fünf, 2010 sieben, 2011 15 und 2012 schon 20 gemeldete Fälle gegeben. Nach einer Periode stagnierender und zuletzt gesunkener Fälle sei der Anstieg der Syphilis-Infektionen seit 2010 „sehr auffallend“, erklärt Schimmelpfennig. „Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Vorsicht beim Sex eine fallende Tendenz aufweist“, sagt Schimmelpfennig.

Das Tückische: Die Syphilis-Bakterien schädigen die Schleimhaut, so dass auch HIV-Erreger leichter eindringen können. Umgekehrt sind die durch Syphilis hervorgerufenen Geschwüre und Hautläsionen hochansteckend. „Den besten Schutz für sich und andere bieten Kondome“, erinnert Schimmelpfennig. Denn man dürfe nicht vergessen, dass die Pille zwar ein gutes „Empfängnisverhütungsmittel ist, ein Kondom aber zusätzlich auch ein Verhängnisverhütungsmittel darstellt“.

Dr. Markus Schimmelpfennig

Dennoch erkranken nach wie vor mehr Männer als Frauen: 2012 infizierten sie sich circa 14-mal häufiger. Der Anstieg ist dem Experten zufolge bedenklich, weil die Bereitschaft steige, beim kommerziellen Sex auf Kondome zu verzichten. Schimmelpfennig zufolge berichten viele Prostituierte, dass immer mehr Freier auf ungeschütztem Geschlechtsverkehr bestehen würden.

Wodurch das Risiko für alle sexuell übertragbare Krankheiten steige. Damit möglichst viele Fälle frühzeitig behandelt werden können, plädiert Schimmelpfennig dafür, dass sich besonders Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, regelmäßig auf Syphilis testen lassen. 

So verläuft die Syphilis

Die Syphilis - früher auch als Lustseuche bezeichnet - ist eine bakterielle Infektion, die vor allem über Sexual- und Blutkontakte, aber auch bei Schwangeren von der Mutter aufs Kind übertragen wird. Die Krankheit verläuft in drei Stadien. Nach einer Infektion treten im Genitalbereich zunächst kleine, schmerzlose Geschwüre auf. Nach neun bis zehn Wochen wird ein Hautausschlag sichtbar, rote Flecken bedecken den Körper. Nach drei bis fünf Jahren entfaltet die Krankheit ihre ganze Kraft: Der Erreger greift Knochen, Gelenke und Organe an, es kann zu Lähmungen kommen. Dringt das Bakterium ins Gehirn vor, sind oft Geisteskrankheiten die Folge.

Von Melanie Triesch

Quelle: HNA

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