Immer mehr Betriebe geben auf

Vielen Bauern fehlt der Hof-Nachfolger

Schwalm-Eder. Die Mehrzahl der Bauern im Schwalm-Eder-Kreis hat noch keinen Nachfolger für ihre Höfe: 69 Prozent aller Bauern über 45 Jahren haben das während der jüngsten Landwirtschaftszählung des Statistischen Landesamtes bestätigt.

Die Zahlen wurden kürzlich veröffentlicht. Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Dr. Bernd Wenck, sieht das nicht ganz so dramatisch: „31,3 Prozent haben einen Nachfolger“, sagt er, „und damit haben wir den höchsten Anteil in Hessen.“ Gleichwohl räumt er ein, dass es immer weniger Bauernhöfe im Landkreis gibt: „Jedes Jahr werden zwischen zwei und vier Prozent der Höfe aufgegeben.“ Gründe dafür seien der Strukturwandel und der damit einhergehende technische Fortschritt sowie die wachsenden Betriebsgrößen.

Waren um 1950 noch 100 Arbeitsstunden nötig, um auf einem Hektar Getreide zu erzeugen, sind es heute nur noch fünf Arbeitsstunden - „in ganz modernen Betrieben“, sagt Wenck.

Im Landkreis gibt es immer weniger Viehhaltung: Die Zahl der Betriebe, die auf Zuchtsauen spezialisiert sind, hat sich beispielsweise von 2003 bis 2010 halbiert. „Das ist für mich erschreckend.“ Denn die großen Ställe würden den Wegfall der vielen kleinen Ställe nicht kompensieren.

Die zunehmenden gesetzlichen Anforderungen sind ein weiterer Grund für die Aufgabe von Betrieben. Ein Beispiel: Ab 1. Januar 2013 muss bei der Schweinehaltung die Spaltenbreite im Stallboden 18 Millimeter sein, früher waren 21 Millimeter erlaubt. Es gab eine Übergangsfrist, aber ein Umbau ist Pflicht. Wer das nicht mehr investieren will oder kann, muss aufhören.

Oft gibt es einen langsamen Abbau, berichtet Wenck: „Erst wird nicht mehr investiert, dann hören die Landwirte mit der Tierhaltung auf, und dann wird das Land verpachtet.

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Von Claudia Feser

Quelle: HNA

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