Anklage verlesen

Vier Männer wegen Überfalls in Niedervorschütz vor Gericht

Kassel. „Das war der Horrorabend meiner 51 Lebensjahre“, sagte der Maurermeister aus Niedervorschütz am Freitag vor dem Kasseler Landgericht.

Dort musste er in einem Prozess gegen vier Männer im Alter zwischen 22 und 28 Jahren aussagen, denen außer dem Raubüberfall auf ihn und seine Lebensgefährtin eine weitere Tat in Homberg vorgeworfen wird. Am ersten Prozesstag war lediglich die Anklage verlesen worden.

An einem Novemberabend des vergangenen Jahres hatte es sich der 51-Jährige auf dem Sofa bequem gemacht, da klingelte es. Er ging zur Sprechanlage. Draußen stand jemand, der ihm angeblich bestelltes Essen bringen sollte. Da dies schon öfter vorgekommen war, öffnete er die Tür. „Da hatte ich eine Pistole am Kopf.“ Drei Männer stürzten in sein Haus. Der 26-Jährige mit der Pistole verlangte Geld. Der 51-Jährige bat, keinen Stress zu machen und langte nach seinem Geldbeutel, etwa 300 Euro reichte er seinem Peiniger. Doch der gab sich damit nicht zufrieden und drängte: „Du hast noch mehr!“

Indem er mit dem Knauf der Pistole auf sein Opfer einschlug, verlieh er seiner Forderung Nachdruck. Das Trio wollte ins Schlafzimmer. Dort angekommen, war schnell ein Tresor mit Schmuck gefunden. Doch der 51-Jährige kannte die Zahlenkombination nicht. „Ich steche dich ab, ich bringe dich um!“, soll der 26-Jährige währenddessen gedroht haben. Hatte er bis dahin mit der Pistole hantiert, hielt er nun ein Küchenmesser in der Hand und stach den 51-Jährigen, der bereits am Kopf blutete, in den Oberarm.

In diesem Moment betrat die Lebensgefährtin das Haus. Ihr kam der rettende Gedanke, es mit dem Tresorschlüssel zu versuchen. Kaum war die Tür offen, schnappten sich die drei Räuber den Schmuck, schlossen das Schlafzimmer ab und zogen von dannen.

Bei einem zweiten Versuch dieser Art in Homberg Anfang dieses Jahres wurden drei der Angeklagten von der Polizei festgenommen. Alle vier gestanden am Freitag ihre Taten. Der 26-Jährige aus Kassel, Anstifter beider Überfälle, gab als Grund an, dass er keine Arbeit, wegen seiner Drogen- und Spielsucht aber erhebliche Schulden hatte - um die 100 000 Euro. Seine Drogendealer hätten ihn erpresst: Sie wollten kompromittierende Fotos ins Internet stellen, wenn er seine Schulden nicht begleiche. Den Tipp für den Überfall in Niedervorschütz habe er vom Schwiegersohn des Opfers bekommen. Den geraubten Schmuck versetzte er in Kassel für 6000 Euro.

Die Idee für den in Homberg geplanten Überfall sei ihm gekommen, als er das Gerücht hörte, das potentielle Opfer habe kinderpornografische Fotos auf seinem Laptop. „Wir wollten ihn erpressen.“ Mit dem Raub des Computers und der geplanten Erpressung wollte der 26-Jährige ein weiteres Mal seine Geldprobleme lösen.

Doch die Polizei hatte Wind bekommen und griff in Homberg zu. Seine drei Kumpane räumten ebenfalls alles ein. Sie gaben an, sie seien entweder überredet oder von der Aussicht auf Geld gelockt worden.

Am Montag wird der Prozess vor dem Landgericht fortgesetzt. (pas)

Quelle: HNA

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