Viesebeck feiert: Vor 100 Jahren stifteten Auswanderer ein Kirchenfenster

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Bild mit Vorgeschichte: das Chorfenster der Viesebecker Kirche. Links Pfarrer Kai Scheiding, rechts Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake, der selbst ein Viesebecker ist. Foto:  Norbert Müller

Wolfhagen. Mit seinen 100 Jahren zählt das Chorbild in der uralten Viesebecker Dorfkirche zu den jüngsten schmückenden Elementen des Gotteshauses. Der Jahrestag des Einbaus wird am Pfingssonntag im Dorf gefeiert, und dazu werden auch besondere Gäste aus den USA erwartet: Anton Bruchhauser, seine Ehefrau und die drei Töchter.

Anton Bruchhausers Uropa, der ebenfalls Anton hieß, wurde in Viesebeck geboren. Ein Jahr nach seinem Bruder Heinrich wanderte er 1873 in die USA aus. Der Nachname der Brüder lautete damals noch Bruchhäuser, die beiden Punkte über dem a gingen in den USA verloren. Nicht verloren ging die Liebe zur alten Heimat. Die Brüder, laut Pfarrer Kai Scheiding aus einfachen Verhältnissen stammend, machten offensichtlich ihr Glück, kamen zu Wohlstand und stifteten ihrer Heimatkirche ein farbiges Kirchenfenster.

Es wurde 1914 eingebaut. Die Brüder hatten ursprünglich vor, zur Einweihung über den großen Teich nach Viesebeck zu reisen, doch dann, so Scheiding, kam der Erste Weltkrieg dazwischen.

Heinrich starb 1925 und sah das Fenster nie, Bruder Anton besuchte das Dorf, in dem er aufwuchs, im Jahr 1928. Zum ersten und letzten Mal sah er bei dieser Gelegenheit das Fenster, das in Marburg hergestellt worden war und Jesus mit dem zweifelnden Petrus zeigt, der im See zu versinken droht. „Ein Bild mit einer unheimlich starken Botschaft“, wie Pfarrer Scheiding sagt: „Wenn dir das Wasser bis zum Halse steht, zieht Gott dich heraus.“ Warum sie ausgerechnet dieses Motiv wählten, ergänzt Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake, selbst ein waschechter Viese-becker, „wissen wir nicht“.

Bleibende Verbindung

Am unteren Bildrand ist zu lesen: „Zur Erinnerung an unsere in Gott ruhenden Eltern gestiftet von ihren Söhnen Heinrich und Anton Bruchhäuser in Amerika und in dankbarer Liebe zu ihrer alten Heimat.“ Für den Pfarrer ist klar: „Die wollten, dass Bruchhäusers und Viesebeck eine bleibende Verbindung haben. Und das hat über das Fenster funktioniert.“

Am Samstag kommen die Nachfahren, bleiben fünf Tage und werden dabei im Haus, in dem Heinrich und Anton aufwuchsen, übernachten.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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