Die Mordvilla steht noch

Villa von Clothilde Kauffmann ist Teil der Melsunger Stadtführung

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Historischer Tatort: Volker Wiegand, Historiker und ehemaliger Schulleiter zeigt die Kauffmann Villa an der Rotenburger Straße in Melsungen. Vor 100 Jahren wurde dort Clothilde Kauffmann ermordet.

Melsungen. Clothilde Kauffmann wurde am 1. Oktober 1917 – am Sonntag vor genau 100 Jahren – in ihrer Villa ermordet.

Der Melsunger Historiker Volker Wiegand hat die damaligen Zeitungsberichte ausgewertet.

Damals hieß es: Die Nachbarn hatten bemerkt, dass die 76-Jährige die Milchlieferung am Morgen nicht angenommen hatte und auch sonst noch nicht gesehen worden war. Sie riefen die Polizei, die das Schloss der bekannten Kaufmann-Villa öffnen ließ. Die Villa an der Rotenburger Straße steht heute noch.

Die Polizeibeamten fanden Clothilde Kauffmanns Wohnung durchsucht vor, Schubladen und Papiere waren durchwühlt worden. Laut Kreisblatt vom 2. Oktober 1917 nahmen „der Herr Kreisarzt, das Königliche Amtsgericht, zwei Gendarmeriewachtmeister und zwei städtische Polizeiorgane“ die Ermittlungen auf.

Zwei Tage später wurde nach zwei vermeintlichen Tätern gesucht: Eine schwarzgekleidete Frau zwischen 25 und 35 Jahren mit schwarzem Hut und Trauerschleier und ein Mann zwischen 30 und 40 Jahren mit dunklem Mantel und schwarzem Hut, wurden gesucht. Die beiden waren mit dem Zug um 5.18 Uhr nach Bebra gefahren und von dort aus vermutlich über Erfurt nach Berlin gereist, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Zeitung am 10. Oktober meldete: „Das Raubmörderpaar in Berlin gefasst!“ Die Berliner Kriminalpolizei hatte die 24-jährige Karoline Kämpfer und Wilhelm Heitkamp, ein 35-jähriger Schlachter aus Düsseldorf, festgenommen. Beim Verhör stellte sich heraus, dass Karoline Kämpfer bei Clothilde Kauffmann angestellt gewesen war. Kurze Zeit später wurden die beiden verhaftet, nach Kassel gebracht und vor dem Landgericht angeklagt. Die Täter hatten Glück. Die Todesstrafe wurde damals nicht vollzogen. Auf die verurteilten Mörder wartete eine lebenslange Haftstrafe im Zuchthaus.

Clothilde Kauffmann war das letzte noch in Melsungen lebende Mitglied der Familie Von Nordeck. Diese war seit etwa 1550 in Melsungen ansässig. Oskar Kauffmann, Clothilde Kauffmanns Sohn, überführte ihre Leiche am 6. Oktober 1927 nach Eisenach. Dort wurde sie beerdigt.

 • Führung: Die Mordvilla ist Station der beliebten Stadtführung „Die dunklere Seite der Stadt“. Für Informationen Tel. 05661/708201

Quelle: HNA

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