Vitos: Projekte aus Merxhausen wurden ausgezeichnet

Erhielten den Landespflegepreis: Krankenschwester Bettina Wunsch (links ) und Gesundheits- und Krankenpflegerin Ann Christin Jutzi. Beide arbeiten in der Forensischen Psychiatrie bei Vitos Kurhessen in Merxhausen. Mit ihrem Projekt setzen sie sich für eine bessere Beziehungsarbeit zwischen Patient und Pfleger ein. Foto: Thon

Merxhausen. Zwei Projekte von Vitos Kurhessen in Bad Emstal sind am Mittwoch mit dem Landespflegepreis der Bundesfachvereinigung Leitender Krankenpflegepersonen der Psychiatrie (BFLK) geehrt worden. Die Projekte heißen „Gewalt und Aggression in der Gerontopsychiatrie“ und „Kongruente Beziehungspflege“.

Erstmals war Vitos in Merxhausen Gastgeberin der Landestagung der BFLK. Zum dritten Mal wurde am gestrigen Mittwoch der Landespflegepreis verliehen. Tobias Vogt aus Sand ist einer der Gewinner. Während seines derzeitigen Studiums der Psychiatrischen Pflege erstellt er eine Arbeit zum Thema „Gewalt und Aggression in der Gerontopsychiatrie“. Ziel des Projekts des 30-Jährigen ist es, die Häufigkeit aggressiver Ereignisse auf der Station zu reduzieren, auf der 20 ältere Menschen betreut werden. Die Patienten kommen entweder aus Seniorenheimen oder dem häuslichen Umfeld. Dem Gesundheits- und Krankenpfleger geht es um die Entwicklung einer Methode zur differenzierten Auswertung von Aggressionsereignissen.

Mitte des vergangenen Jahres erfasste Vogt drei Monate lang aggressives Verhalten. Erhoben wurden Auslöser, Ziel/Opfer und Art von Gewalt. Die Mitarbeiter der Station dokumentierten die Konsequenzen - also, ob sie sich bedroht fühlten, verletzt wurden und welche Maßnahmen sie ergriffen haben. Zwischenzeitlich wurden die Mitarbeiter zum Thema Aggression und Deeskalation geschult. „Meine Arbeit verfolgt einen präventiven Ansatz“, sagt Vogt. Die Mitarbeiter würden sensibilisiert, das Verhalten der Patienten früh einzuschätzen und die Auslöser von Aggression zu erkennen. Von Januar bis März 2016 will er das Auftreten aggressiver Ereignisse mit der gleichen Methode erneut erfassen und einen Vergleich zwischen beiden Erhebungszeitpunkten ziehen.

Bessere Beziehungsarbeit

Um „Kongruente Beziehungspflege“ geht es in dem Projekt von Bettina Wunsch (46, Züschen) und Ann Christin Jutzi (30, Bad Wildungen), das mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde. Beide Frauen hatten sich im Jahr 2011 nach diesem von Rüdiger Bauer entwickelten Modell ausbilden lassen und setzen es seit dem Jahr 2013 in der Forensischen Psychiatrie in Merxhausen um. „Hinter unserer Arbeit steht die Frage, wie gehen wir mit verurteilten Straftätern um“, sagt Wunsch, die als Krankenschwester die Station leitet. Ziel sei es, die Beziehungsarbeit mit dem Patienten zu strukturieren, zu beschreiben, zu planen und zu organisieren. Auf diese Weise sollen Probleme in der Beziehung zwischen Patient und Pflegekraft leichter gelöst werden.

Und Probleme gibt es: Denn die Patienten seien nicht freiwillig in der Psychiatrie, sagen Wunsch und Jutzi. Mitunter würden sie sich weigern, mit den Pflegern zusammenzuarbeiten. Mit ihrem individuellen, ganzheitlichen Ansatz, bei dem die Biografie der Suchtpatienten in Merxhausen eine große Rolle spielt, wollen die Frauen die Zusammenarbeit von Patienten und Pflegern verbessern.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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