Projekt Schule ohne Rassismus

Völkerballturnier in der Stadthalle Melsungen 

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Kämpften bis zum Schluss: Die Gastgeber der Fuldatal-Schule in grünen Trikots spielten gegen die sechste Gymnasialklasse der Gesamtschule Melsungen. Ein Sieger konnte nicht ermittelt werden, weil aufgrund Zeitmangels das letzte Spiel ausfallen musste. Im Vordergrund ist Mehmet Ince (16) von der Fuldatal-Schule zu sehen. 

Melsungen.  Ob Grundschüler oder Förderschüler: 120 Teilnehmer von sechs verschiedenen Schulen spielten erstmals nicht nur gegeneinander, sondern miteinander in gemischten Teams. 

Ohrenbetäubendes Kreischen, Klatschen und sichtbarer Kampfgeist herrschten gestern beim Völkerballturnier in der Stadtsporthalle Melsungen. Zum ersten Mal spielten 120 Kinder von sechs verschiedenen Schulen – nicht nur gegeneinander, sondern miteinander in gemischten Teams. Grundschüler gegen und mit 16-Jährigen. Dabei ging es um mehr als nur Punkte sammeln.

„Es geht uns um Akzeptanz“, erklärt Susann Reich, Schulsozialarbeiterin an der Fuldatal-Schule Melsungen. Als „Schule ohne Rassismus“ hat die Förderschule das Turnier organisiert. Dabei wolle man nicht nur gegen Rassismus ein Zeichen setzen, sondern gegen Diskriminierung jeglicher Art. Dazu hatte sie folgende Schulen aus der Umgebung eingeladen: die Gesamtschule Melsungen, die Drei-Burgen-Schule Felsberg, die Odenberg-Förderschule Gudensberg sowie die Grundschulen Schule am Schloth Melsungen und die Melsunger Christian-Bitter-Schule.

„Völkerball kann jeder, ob klein oder groß, sowohl Jungs als auch Mädchen sind davon im Unterricht immer begeistert“, sagt Sportkoordinatorin Inka Laessing von der Fuldatal-Schule. Es habe durchaus Bedenken vor dem Turnier gegeben, schließlich hätten sich die meisten Schüler vorher noch nie gesehen. „Förderschüler werden oft schief angeguckt, gehänselt oder gemieden“, sagt Laessing. Davon war beim Völkerballturnier nichts zu spüren. Je zwölf Minuten zielten, warfen, duckten sich die Schüler, und schenkten sich nichts dabei. Trotzdem, wer gerade nicht spielte, feuerte die anderen an. „Ich weiß nicht mal, ob den Schülern heute bewusst war, dass Förderschüler dabei waren“, sagte Laessing nach anstrengenden Stunden als Schiedsrichterin.

Seit 2015 trägt die Fuldatalschule den Titel „Schule ohne Rassismus“ und macht einmal pro Jahr ein Projekt zu dem Thema. „Zu Vorurteilen gegenüber Förderschülern gehört, dass sie dumm sind. Das muss aus den Köpfen raus“, sagt Laessing und erklärt: Durch das Spielen lernten sich die Kinder ganz anders kennen und könnten hoffentlich Hemmungen und Vorurteile fallen lassen.

Auch im Unterricht der Förderschule werden Rassismus und Diskriminierung thematisiert. In der AG „Schule ohne Rassismus“ lesen die Schüler zum Beispiel das Tagebuch der Anne Frank. Im vergangenen Jahr haben sie Geld für einen Stolperstein gesammelt, den sie in Felsberg verlegt haben. „Die Idee von Schule ohne Rassismus muss am Leben gehalten werden, sonst ist es nichts als ein leerer Titel von dem keiner weiß, was er bedeutet“, so Laessing. Am Ende des Turniers ist sie zufrieden. „Es gab keine Beschimpfungen, dafür viel Toleranz und Teamgeist.“ 

Quelle: HNA

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