Feuerwehr findet keinen Nachfolger für Wehrführer Joachim Seeberger

Völkershain hat nur noch fünf Brandschützer

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Vor 33 Jahren war Personalnot kein Thema: Die Feuerwehr Völkershain im Jahr 1984 bei einem Festumzug. 

Völkershain. In Völkershain gibt es derzeit nur fünf Brandschützer - und einen Wehrführer auf Zeit. Denn bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr stellte sich niemand zur Wahl auf. 

Joachim Seeberger

Mit diesem Ausgang der Wahl hatte Wehrführer Joachim Seeberger nicht gerechnet. Als in der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Völkershain ein Nachfolger für den 59-Jährigen gesucht wurde, meldete sich – niemand. Keiner hob die Hand, keiner schlug einen Namen vor. „Es war mucksmäuschenstill im Versammlungsraum“, sagt Seeberger. Er, der den Posten des Wehrführers abgeben wollte, hat ihn nun weiter inne. Aber auch das nur auf Zeit: Seeberger wird im April nächsten Jahres 60, dann darf er das Amt laut Gesetz nicht mehr ausüben.

Die Situation

Aber in Völkershain fehlen nicht nur Führungskräfte, es fehlen vor allem Brandschützer – derzeit gibt es nur noch insgesamt fünf. Die Zeiten, in denen sich die Feuerwehrleute im Gerätehaus drängelten, sind lange vorbei. Auch auf einen massiven Auf- und Hilferuf der Wehr hat sich niemand gemeldet.

Das Problem

„Mit fünf Leuten können wir nicht ausrücken – da macht es nicht einmal Sinn, einen Wehrführer zu suchen“, sagt Seebergers Stellvertreter, Thomas Schneider. Die Wehr habe auch den Gemeindevorstand mehrfach auf das Problem hingewiesen – nun brenne es den Völkershainern auf den Nägeln. „Fakt ist, dass kaum Leute Interesse an der Wehr haben“, sagt Schneider. „Wir können uns ja kein Team schnitzen.“ Dass das die restlichen Feuerwehrleute demotiviere, sei keine Frage.

Der Brandschutz

Trotz des Problems müsse niemand fürchten, dass im Brandfalle sein Anwesen bis auf die Grundmauern abbrenne: Für solche Fälle seien Brandschutzabschnitte gebildet worden, die das Ausrücken sicherstellten. Im Völkershainer Falle sind das unter anderem die Wehren aus Remsfeld und Schellbach.

Das Ehrenamt

Völkershain stehe nicht alleine da mit dem Problem, sagt Wehrführer Seeberger. Fast alle nordhessischen Wehren seien von Nachwuchssorgen betroffen. „Heute fragt jeder, was er für seinen Einsatz bei der Wehr bekommt “, sagt Seeberger. „Da nützt die beste technische Ausstattung nichts“, ergänzt Schneider. Feuerwehrleute könnten auch nicht über Nacht gewonnen werden: Der Ausbildungsweg für gute Brandschützer sei lang.

Auch deshalb habe er keine Antwort auf die Frage, wie die Völkershainer Wehr am Leben gehalten werden könne, sagt Seeberger: „Ich habe kein Patentrezept.“ Der demografische Wandel, die wenigen Kinder und Jugendlichen – all das mache den nordhessischen Feuerwehren das Leben schwer.

Das Leben auf dem Lande

Das Land Hessen müsse dringend Anreize geben, damit das Leben auf dem Lande attraktiver für junge Leute und den Nachwuchs werde, sagt Seeberger. Für Thomas Schneider bedeuten die Probleme nun nicht gleich das Ende der kleinen Dörfer. Aber doch einen gewaltigen Einschnitt in Sachen Lebensqualität. „Man wird gleich mehrfach dafür bestraft, auf dem Land zu leben: Man hat weite Arbeitswege, langsames Internet, viel Leerstand – und nun das.“

Der Feuerwehrverein Völkershain bleibt übrigens weiter aktiv. „Die Veranstaltungen im Dorf laufen weiter“, kündigt Schneider an.

Das sagt das Kreishaus

Das Problem der zu wenigen Einsatzkräfte trete „bisher sehr vereinzelt auf“, heißt es in einer Stellungnahme aus der Kreisverwaltung: Das müsse man durch verstärkte Nachwuchsgewinnung kompensieren. Im Notfalle müssten zusätzliche Ortsteilfeuerwehren alarmiert werden, um die Hilfsfrist gewährleisten zu können. Einige Wehren bezögen derzeit schon die Wehren aus den Nachbardörfern in die Alarmierung mit ein, um möglichst schnelle Hilfe zu gewährleisten. Das sei vor allem tagsüber der Fall, wenn Feuerwehrleute an der Arbeit seien und nicht für die Feuerwehr verfügbar seien. Große Entlastung verspreche man sich von der neuen Leitstelle, die gerade eingerichtet wird. Deren neue Programme und Alarmierungskonzepte sollen helfen, die „temporären Defizite“ in den Wehren aufzufangen, heißt es. Neu ist dann auch, dass Feuerwehrleute bei der Alarmierung mitteilen müssen, ob sie zum Einsatz kommen oder nicht. Auch die neuen Digitalen Funkmeldeempfänger, die noch in diesem Jahr zum Einsatz kommen sollen, sollen dazu beitragen, in Zukunft noch flexibler auf Defizite und Probleme reagieren zu können.

Quelle: HNA

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