Zahlreiche Arten passen sich mit den Farben ihrer Gelege perfekt an die jeweilige Umgebung an

Vogeleier machen sich unsichtbar

Schwalm. Ostern ist vorüber, und ein schöner Osterbrauch war wieder das traditionelle Eier-Färben, wobei oft wahre Wunderwerke geschaffen werden. Aber auch die Eier vieler Vogelarten könnten sich auf Ostereier-Ausstellungen sehen lassen. Die vielfältigen Farben und Muster der Vogeleier sind jedoch keine Ausdruck künstlerischer Veranlagung, sondern eine Frage des nackten Überlebens.

Vögel, die sonst in wenigen Tagen hunderte oder tausende Kilometer fliegen und jedem Feind mit wenigen Flügelschlägen ausweichen können, binden sich mit der Eiablage für mehrere Wochen fest an einen Ort. Noch dazu sind die Eier große „Energiebomben“, die folglich bei vielen anderen Tierarten fest auf dem Speiseplan stehen.

Um diese wohl kritischste Phase im Leben der Vögel zu meistern, haben sich zahllose Anpassungen entwickelt. So zimmern Spechte wochenlang mit großer Anstrengung ihre Bruthöhlen, Eisvögel und Uferschwalben graben meterlange Tunnel in steile Erdwände, Elstern bauen wahre Nest-Burgen mit Dach und kleinem Einschlupf.

Aber auch der andere Weg ist möglich: Kiebitze, Regenpfeifer und Seeschwalben bauen keine Nester, sondern legen ihre perfekt getarnten Eier in kleine Mulden am Boden.

Da sie trotz der Tarnfarbe oft schnell von Feinden entdeckt werden, können diese Arten binnen Kurzem bis zu fünf Gelege produzieren, zumal sie kostbare Zeit für einen aufwendigen Nestbau sparen.

Die Farbe und Zeichnung der Eier steht mit der Nistweise der Vogelarten in engem Zusammenhang.

Während offen am Boden brütende Spezies perfekte Tarnfarben entwickelt haben, sind die Eier der Höhlenbrüter meist leuchtend weiß - im Dunkel der Höhlen sind ohnehin keine Farben erkennbar und eine Tarnung auch gar nicht notwendig.

Versteckt am Boden brütende Arten wie Stockente, Rebhuhn oder Fasan legen hell beige gefärbte Eier, die sie beim Verlassen des Geleges mit Nestmaterial zudecken und sie so unsichtbar machen.

Im Halbdunkel von dichten Gebüschen und Unterholz, aber auch Halbhöhen haben sich die bläulich schimmernden Eier von Singdrossel, Heckenbraunelle oder Gartenrotschwanz bewährt.

Und die Vielzahl der in Buschwerk oder Röhricht im Spiel von Licht und Schatten brütenden Finken, Grasmücken und Rohrsänger zeigen durch helle Eier mit dunklen Flecken, Punkten und Kritzeln ebenfalls eine optimale Anpassung an ihren Lebensraum.

Von Stefan und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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