In Burkhard Hausers Zeitungsbox schlüpften Junge – Nabu: Brutzeit beginnt jetzt

Ein Vogelnest im Plastikkasten

Vogelvater: Im Zeitungskasten von Burkhard Hauser brüteten Vögel. Vor zwei Tagen waren die Jungen flügge geworden. Foto:  Schittelkopp

Olberode. Welche Wege sich die Natur in unserer Zivilisation sucht, wurde am Ortsrand Olberode deutlich. In einem ausgedienten Zeitungskasten von Burkhard Hauser brütete ein Vogelpaar.

Seitdem Burkhard Hauser und seiner Nachbarn die Heimatzeitung morgens direkt an die Haustüren der ehemaligen Fickelsmühle bekommen, blieb der Kasten, der an einer Hütte neben der Straße am hängt, leer. „Ich habe geschaut, ob Werbung in dem alten Zeitungskasten liegen“, sagte der Schreiner. Das war vor ein paar Wochen. Da entdeckte er das Nest.

Fünf Eier sah der Olberöder. Er vermutet, dass Meisen dort ihren Nachwuchs ausbrüteten. Wenn die Elterntiere ausgeflogen waren, nutzte der 62-Jährige vorsichtig die Gelegenheit, die Entwicklung der Jungvögel zu beobachten. Er hörte die Tiere piepsen und sah, wie sie hungrig die Schnäbel reckten. Seit zwei Tagen steht das Nest im Plastikhaus nun leer, die Vögel sind flügge geworden und verließen es.

Es kann durchaus vorkommen, dass sich Vögel solche eher ungewöhnlichen Orte zum Brüten aussuchen, bestätigte Dr. Wulf Rheinwald, Vogelschutzbeauftragte des Naturschutzbundes (Nabu) in Schwalmstadt. Wählt ein Vogelpaar den Briefkasten oder die Zeitungsbox für den Nestbau aus, rät er: Einfach ein Schild mit nicht stören für den Postboten oder Austräger anzubringen.

Ansonsten sollten die Tiere nicht gestört werden. Natürlich kann man sie beobachten, doch sollte man nicht in das Nest fassen. „Die Tiere gewöhnen sich an den Menschen“, weiß Rheinwald. Es störe sie nicht, wenn täglich Leute am Nest vorbeigehen.

Er vermutet, dass es sich bei den Plastikkasten-Brütern um Rotschwänze gehandelt habe. Die Vogelart legen vier bis fünf Eier. Nach dreiwöchiger Brutzeit wachsen die Jungtiere weitere drei Wochen im Nest heran, bis sie es verlassen. Bei größeren Kästen niesten sich auch Amseln ein.

„In diesem Jahr ist alles früher“, sagt der Tierarzt. Die Hauptbrutzeit beginnt nun und dauert bis Ende Juli. Er rät, wie beim Nistkasten das Nest zu entfernen und die Box zu säubern. Vielleicht fängt das Elternpaar dann dort noch einmal an zu brüten.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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