Schnell weg nach Südwesten

Vogelzug: Nicht nur Kraniche sind jetzt über der Region unterwegs

Schwalmstadt. Fast jeder hat schon einmal staunend die laut rufenden, keilförmigen Schwärme der Kraniche betrachtet, die auch in den letzten Tagen und Wochen über der Schwalm auf ihrem Weg nach Süden zu sehen waren.

Allerdings fliegen derzeit nicht nur Kraniche, sondern auch viele weitere Arten in ihre Winterquartiere. Fast alle fliegen nach Südwesten. Warum? Neben den Kranichen sind vor allem in den Vormittagsstunden viele andere Zugvögel unterwegs. Besonders auffallend sind dabei die oft mehrere hundert Vögel umfassenden, kugelförmigen Schwärme von Ringeltauben, die ohne einen Laut in Höhen von 100 bis 500 Meter durchziehen.

Aber auch Singvögel wie Wacholder- und Rotdrossel, Buch- und Bergfinken oder Saatkrähen sind häufig zu sehen. Das langgezogene "ziiieh" der Rotdrossel-Rufe ist dabei auch in den Nachtstunden zu hören - die Tiere fliegen oft im Dunklen, da sie dort vor Feinden sicher sind und die Tagstunden zur Suche nach Nahrung nutzen können.

Wer genau schaut, bemerkt schnell, dass fast alle Zugvögel in unserem Gebiet nicht nach Süden, sondern nach Südwesten fliegen. Ungewöhnlich, sollten die Tiere doch den kürzesten Weg nehmen, um Energie zu sparen.

Direkt nach Süden wäre zwar der kürzeste Weg, doch ist diese Strecke durch die Alpenkette und das aus Zugvogelsicht dahinter liegende Mittelmeer versperrt. Die Zugvögel hätten an dieser riesigen Barriere große Verluste, so dass sich im Laufe der Jahrtausende der Umweg nach Südwesten über Frankreich, Spanien und die Straße von Gibraltar etabliert hat.

Er ist zwar länger, für die Tiere aber wesentlich sicherer. Das alljährliche Schauspiel ziehender Kraniche setzte in diesem Herbst schon ungewöhnlich frühzeitig ein, als einige Tausend Vögel Hessen am 29. September überflogen. Für die Kraniche ist schon Spanien das Winterziel, das sie auf sehr schmalem Weg erreichen.

Von Heinz und Stefan Stübing

Quelle: HNA

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