Mit Volldampf gegen den Trend: Rolf Bläsing las aus seinem neuen Buch

Sinn für Humor: Rolf Bläsing aus Böddiger las aus seinem neuen Roman. Foto: Brandau

Felsberg. Eine Lesung vor vertrautem Publikum war Rolf Bläsings Vorstellung seines zweiten Romans „Vollkasko“ in der Buchhandlung „Foto und Buch“ am Freitagabend in Gensungen.

Gastgeberin Heike Vockeroth kündigte ihn als einen von zwei Böddiger Jungs an, die sich derzeit als Autoren hervortun und hatte den Raum mit passenden Radler-Accessoires dekoriert.

„Für mich ist das so eine Art Heimspiel hier“, stellte Bläsing schmunzelnd fest und zeigte sich auch im Verlauf des Leseabends in sympathischer Weise mit den etwa 90 Zuhörern auf du und du.

Sein neues Buch beschäftigt sich mit einem, der durch das Verschwinden der Jahreszeiten seine persönliche Ordnung in Gefahr sieht. Es beschreibt, was einer erlebt, der nicht das tut, was alle tun, der Charakter zeigt und seine Überzeugung leben will. Es geht um Arno Eggenthal, der eines Tages beschließt, der Klimakatastrophe zu begegnen, indem er auf sein Auto verzichtet und alle Wege per Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegt.

Unvermittelt sieht er sich gezwungen, das zunächst unverbindlich und theoretisch angedachte Ansinnen umzusetzen. In einem Telefongespräch mit seiner Jugendfreundin Annette antwortet er auf die Frage: „Wann fängst du an?“, ebenso selbstbewusst wie vorschnell: „Am Montag.“ Schon befindet er sich mitten in einem Geflecht von anstrengenden Konsequenzen und vielstimmigem Spott, logistischen Höchstleistungen und völlig absurden Situationen.

Abstinenz mit Charme

In seiner bekannt trockenen Art erzählt und beschreibt Bläsing den beschwerlichen Weg Arno Eggenthals mit dem Fahrrad zum Bahnhof, der Zugfahrt mit garantierter Verspätung, verpassten Bussen auf dem Weg zur Arbeit. Knappe Sätze, sich wiederholende Satzmuster, verblüffende, manchmal wortkarge Pointen sind seine Stilmittel. Die beschriebenen Situationen ergeben sich bestechend konsequent aus Eggenthals selbst verordneter Auto-Abstinenz und beziehen aus deren folgerichtiger Weiterführung ihre Komik und ihren Charme.

„Ich war davon überzeugt, dass die Ehe am Ende des Buches kaputt sein muss“, meinte eine Zuhörerin in der Pause. Bläsing räumte ein, dass das ursprünglich auch eine seiner Ideen gewesen sei. „Die Ehefrau gefiel mir mit der Zeit immer besser, deshalb hielt ich die Ehe für erhaltenswert“, gab er spitzbübisch lächelnd preis.

Rund wie ein Fahrradreifen ist diese Story, die einen durchaus ernsten Grundgedanken humorvoll, nachdenklich und realistisch verarbeitet und deren Ende aufregend unspektakulär glücklich ist. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Tieren sind rein zufällig, dennoch wurde man nicht nur durch die Haltestelle „Mittelhof“ an die heimische Umgebung erinnert.

Das Publikum zeigte sich höchst amüsiert und quittierte Bläsings Lesung mit anhaltendem Applaus. (zbr)

Quelle: HNA

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