Futter für die Bakterien

Vom Feld zur Biogasanlage: Maisernte im Wolfhager Land in vollem Gange

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Im Feld zwischen Wolfhagen und Bründersen: Frank Rißeler vom Lohnunternehmen Rißeler fährt einen von vier Häckslern, die den Mais auf insgesamt 230 Hektar im Wolfhager Land ernten. Über ein Rohr wird der zerkleinerte Mais auf Anhänger geladen und dann zur Biogasanlage gebracht. 

Wolfhager Land. Wenn große Schlepper mit ihren Anhängern im Minutentakt von Feldern im Wolfhager Land zur Biogasanlage fahren, dann ist die Maisernte in vollem Gange.

Seit drei Tagen liefern die Landwirte der Region von morgens bis abends geernteten Mais an der Anlage ab. Darunter ist Martin Höhle aus Wolfhagen. Der 25-Jährige sieht die Landwirtschaft als tollen Ausgleich zu seinem Job in der Industrie, für die Maisernte hat er sich extra Urlaub genommen. „Ich bin mit der Landwirtschaft groß geworden, das macht mir Spaß“, sagt er. Gestern aber vergeht ihm der Spaß so langsam, der feuchte Boden erschwert den Landwirten die Arbeit. „Das ist als wenn man im Winter mit dem Auto auf einer vereisten Straße unterwegs ist.“

Konzentriert fährt Martin Höhle, der die Landwirtschaft mit seiner Familie im Nebenerwerb führt, mit dem Schlepper ins Feld zwischen Wolfhagen und Bründersen. „Die Wege werden stark in Mitleidenschaft gezogen“, sagt er, während sein Blick auf den geschotterten Weg gerichtet ist. Seit 6 Uhr ist er für die Mais-ernte unterwegs. Am Tag arbeiten die Landwirte etwa 14 Stunden.

Seit 2011 dabei: Martin Höhle hilft bei der Maisernte seit es die Biogasanlage in Wolfhagen gibt.

Auf dem Maisfeld angekommen fährt er neben den Häcksler, damit der zerkleinerte Mais über das Rohr auf seinen Anhänger geladen werden kann. Über Funk hält er Kontakt zum Fahrer des Häckslers, das ist Frank Rißeler vom Lohnunternehmen Rißeler. Nach drei Fahrspuren ist der Anhänger so gut wie voll.

Im Schlepper muss Martin Höhle darauf achtgeben, dass er mit dem Häcksler auf einer Höhe fährt. Der Fahrer Frank Rißeler entscheidet, wie voll er den Anhänger macht, und bewegt das Rohr mit Knopfdrücken hin und her, um den zerkleinerten Mais zu verteilen. Mithilfe einer Kamera, die sich rechts neben Rißeler befindet, sieht er, wann der Anhänger befüllt ist.

Gleichzeitig muss er aufpassen, dass die Maschine im optimalen Leistungsbereich arbeitet – das ist bei 1800 Motorumdrehungen der Fall, erklärt er. „Dann fährt der Häcksler spritsparend.“

Je nachdem wie der Mais steht, kann Rißeler entscheiden, ob er den sogenannten Lenkautomat einschaltet oder selbst lenkt. Der Reihenfinder des Lenkautomaten – das sind die gelben Stäbe vorne an der Maschine – gibt Impulse an die Lenkung, sodass das Fahrzeug weiß, wo es lang fahren muss. Acht Reihen nimmt der Häcksler pro Fahrspur mit.

Im Häcksler: Frank Rißeler erntet den Mais und koordiniert die Abfahrten durch die Trecker samt Anhänger.

Als Martin Höhles Anhänger geladen ist, macht er sich auf den Weg zur Biogasanlage. Dort fährt er zunächst auf eine Waage, seine Ladung wird gewogen und notiert. So wird festgehalten, welcher Landwirt, welche Menge Mais gebracht hat.

Nachdem die Maisernte gewogen ist, fahren die Bauern weiter auf einen Aufbau neben der Biogasanlage. Dort kippen sie die Ernte aus und es geht zurück aufs Feld. Andere Trecker fahren derweil über den Mais, um ihn festzufahren. Dieser wird neben Mist und Gülle dazu genutzt, um die Bakterien in der Biogasanlage zu füttern – sie zersetzen den Mais. In der Wolfhager Biogasanlage werden jährlich acht Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt.

Quelle: HNA

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