Von der Fulda an die Ostsee: Pächter der Melsunger Stadthalle hören auf 

Sie verlassen die Stadthalle und die Stadt: Sabine Denecke und Rolf Hildebrand hatten 23 Jahre lang die Stadthalle gepachtet inklusive Restaurant. Foto: Claudia Feser

Melsungen – Sie werden arbeiten, wo sie immer Urlaub gemacht haben. Sabine Denecke und Rolf Hildebrand, die Pächter der Melsunger Stadthalle, haben nach 23 Jahren ihren Vertrag gekündigt.

Sie werden künftig ein Restaurant auf Fehmarn betreiben.

Auf der Insel macht das Paar seit mehr als 20 Jahren Urlaub, dort haben sie ein kleines Motorboot. Mit der „Sabine und Rolf“, so heißt ihr Boot, fahren sie gerne raus auf die Ostsee – zum Angeln.

Deshalb haben sie sich auf Fehmarn nach einer Alternative umgesehen als sie hörten, dass die Stadthalle umgebaut und dafür über Monate geschlossen sein wird. „Dann wären wir arbeitslos und obdachlos“, sagt Küchenchef Rolf Hildebrand, 55. Denn das Paar wohnt im Obergeschoss der Stadthalle und war rund um die Uhr vor Ort. „Das war total praktisch“, sagt Hildebrand, „denn wir hatten kurze Wege.“

Im Jahr hatten sie bis zu 400 Veranstaltungen im Haus, berichtet seine Partnerin Sabine Denecke, 50. Die beiden haben sich vor 25 Jahren in einem Hotel im Harz kennengelernt, denn Rolf Hildebrand war dort Küchenchef und Sabine Denecke Restaurantleiterin. Als sie sich zur Selbstständigkeit entschlossen, fiel ihre Wahl auf Melsungen, weil Hildebrand aus Rotenburg stammt.

Nach 23 Jahren fällt ihnen nun der Abschied nicht leicht. Sie hätten sich immer als „ein bewirtetes Bürgerhaus mit gutbürgerlicher deutscher Küche“ verstanden, sagt Sabine Denecke. Und ihr Partner ergänzt: „Wir waren ein Haus für alle Schichten, bei uns konnten alle schöne Feste feiern.“ Vereine, Stammtische, Klassentreffen, Selbsthilfegruppen nutzten regelmäßig die Räume, ebenso Verbände für Tagungen und Familien für Feiern. „Manche haben bei uns ihre Hochzeit gefeiert, später dann die Taufen und Konfirmationen der Kinder“, sagte Sabine Denecke. Probleme wegen Ruhestörung habe es nicht gegeben, betont Sabine Denecke: „Wir haben tolle Nachbarn.“

Immer wieder waren auswärtige Gäste vom Ambiente begeistert, den Sälen im Kasseler Klassizismus und dem Riesen-Kronleuchter im großen Saal. „Den wollten wir am Anfang mal sauber machen“, berichtet Sabine Denecke, „und haben angefangen, die ersten Kristalle einzeln abzuhängen.“ Es sind aber Hunderte – ganz schnell entschied dann das Paar, den Lüster doch lieber von einer Fachfirma reinigen zu lassen.

Die Bewirtschaftung der Stadthalle ist vor allem Handarbeit. Denn direkt nach jeder Veranstaltung werden die Stühle und Tische wieder umgebaut und für die nächste Veranstaltung hingestellt. Auch wenn es spät nachts ist. Das machen Hildebrand und Denecke selbst, „denn Sie finden niemanden, der abends um halb zwölf kommt und mithilft.“

Zum Team der Stadthalle gehört ein Koch als Festangestellter und zwölf Minijobber. Der Koch geht übrigens mit nach Fehmarn. Im „Kolles Fischpfanne“, so heißt das neue Restaurant in Lemkenhafen, wird es künftig nicht nur Fisch geben. „Wir werden dort die Ahle Wurscht einführen“, sagt Sabine Denecke. Dann landet auf den Tellern auf Fehmarn auch ein Stück Nordhessen.

Quelle: HNA

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