Hubschrauber trudelte 1000 Meter in die Tiefe

Vor 30 Jahren entgingen 35 Schwälmer knapp dem Absturz eines Hubschraubers

Brennender Hubschrauber am 25. Oktober 1987: Ein Bundeswehrhubschrauber musste wegen des Ausfalls zweier Triebwerke auf einer Wiese in der Schwalm notlanden. Die Schwalmstädter waren von der Bundeswehr nach Grafenwöhr eingeladen worden. Repros :  HNA

Schwalmstadt. Der 25. Oktober 1987 hat sich den Schwalmstäder „Grafenwöhr-Fliegern“ ins Gedächtnis eingebrannt. Es waren drei Minuten zwischen Leben und Tod.

Schreie trafen Stille. Todesangst: Der Hubschrauber, in dem sich die Schwälmer auf dem Heimflug befinden, trudelte nach dem Ausfall beider Triebwerke brennend im dichten Nebel 1000 Meter in die Tiefe. Dem Pilot glückte dennoch eine spektakuläre Notlandung auf einer Wiese und die 35 Fluggäste und die Crew konnten schnell den brennenden Hubschrauber verlassen. Einige mussten später wegen leichter Verletzungen ärztlich behandelt werden, berichtete damals die Schwälmer Allgemeine.

Einstieg: Nur 30 Minuten nach dem Start stürzte der Hubschrauber aus 1000 Meter Höhe ab.

Was war passiert? Der Kommandeur des Treysaer Feldbataillons 21 hatte übers Wochenende Schwalmstädter Magistratsmitglieder, Stadtverordnete, Lehrer und deren Partnerinnen zum Besuch nach Grafenwöhr eingeladen. Dort befand sich die Truppe im Manöver. 35 Schwalmstädter traten nach der Stippvisite in Franken den Heimweg mit einem Hubschrauber der Bundeswehr an. Am Sonntag, 11.55 Uhr, startete bei dichtem Nebel der Transporthubschrauber vom Typ Sikorsky CH 53 in Grafenwöhr. Der Flug dauerte nur 30 Minuten. Darin enthalten sind drei Minuten Todesangst. Genau so lange dauerte es vom Ausfall des ersten Triebwerks (das anfing zu brennen), dem Ausfall des zweiten Triebwerks, dem Absturz aus 1000 Meter Höhe und schließlich, als der Pilot den Boden sehen kann, die Notlandung auf einer Wiese bei Scheßlitz in der Nähe von Bamberg. Wie in einem Fahrstuhl sei es runter gegangen, berichtete damals der Treysaer Uwe Schmidt dieser Zeitung.

Die CH 53 galt als besonders zuverlässig. Untersuchungen haben später ergeben, dass die Triebwerke wegen einer defekten Enteisungsanlage ausgefallen waren. Dies hatte es bis dahin bei diesem Hubschraubertyp noch nie gegeben.

Dass der Hubschrauber nicht am Boden zerschellt ist, gleicht einem Wunder. „Unsere Rettung haben wir alleine unserem Piloten zu verdanken“, erklärte Fluggast Eberhard Querfurt. Gemeinsam mit drei Kollegen, die ebenfalls in der CH 53 gesessen hatten, war der damalige Lehrer der Ziegenhainer Kreisberufsschule später wieder nach Scheßlitz gereist, um des glimpflichen Ausgangs des Hubschrauberabsturzes zu gedenken. Einer von ihnen meinte, er lebe intensiver nach diesen Minuten zwischen Leben und Tod.

Noch gute Stimmung: Einer der Mitfliegenden hatte einen Regenschirm aufgespannt.

Die Schwalmstädter „Grafenwöhr-Flieger“ verbinden seit 30 Jahren drei Minuten Todesangst und das Gefühl, am 25. Oktober 1987 um 12.25 Uhr noch einmal geboren zu sein, das belegen die Erinnerungen – Zeitungsartikel, Briefe und Karten – die Eberhard Querfurt in einer Mappe zusammengetragen hat.

Ein herzliches Dankeschön richteten sie an ihre „Geburtshelfer“ – die Crew der CH 53.

Quelle: HNA

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