Fast vergessener Politischer Denker

Philosoph wirkte im Adelshäuser Erziehungsheim: Vor 90 Jahren starb Leonard Nelson

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War den Nazis ein Dorn im Auge: Das Landerziehungsheim Walkemühle in Adelshausen, hier im Jahr 1928, galt als „Brutstätte für Edelkommunisten“. 

Adelshausen. Es ist ein fast unbekanntes Kapitel Melsunger Geschichte: In den 1920er-Jahren wurde das Landerziehungsheim Walkemühle eröffnet. Der Philosoph Leonard Nelson prägte die Schule.

In den 1920er-Jahren wurde in Adelshausen das Landerziehungsheim Walkemühle eröffnet, eine Schule der besonderen Art für Erwachsene und Kinder. Ihr Konzept war geprägt von den Ideen des Philosophen Leonard Nelson, dessen Todestag sich 2017 zum 90. Mal jährt, und dessen Grabstätte auf dem jüdischen Friedhof in Melsungen liegt.

Der Kasseler Ralf Schaper will dafür sorgen, dass das Kapitel Walkemühle nicht gänzlich in Vergessenheit gerät. Auf der Internetseite www.landerziehungsheim-walkemuehle.de trägt er Informationen über die Adelshäuser Einrichtung zusammen.

Der 72-Jährige hat einen persönlichen Bezug zur Walkemühle: „Ich habe dort die ersten sieben Jahre meines Lebens verbracht.“ Das war von 1945 bis 1952: Schapers Vater Wilhelm half beim Wiederaufbau der von den Nazis zerstörten Walkemühle und lebte dort mit seiner Familie, bis er in Kassel eine Anstellung fand. Wilhelm Schaper kannte die Walkemühle aus früheren Zeiten: Er hatte in den 1920er-Jahren als Schlosser im Landerziehungsheim gearbeitet und dabei auch Leonard Nelson kurz kennengelernt.

„Nelson lebte meist in Göttingen und kam nur zu Lehrgängen an die Walkemühle“, sagt Ralf Schaper. Doch diese wenigen Begegnungen mit Nelson hinterließen einen tiefen Eindruck bei Wilhelm Schaper. „Nelson muss eine unheimliche Ausstrahlung auf die Leute gehabt haben“, sagt Ralf Schaper. „Er hat auch polarisiert, mancher fühlte sich von ihm abgeschreckt.“

Ein Mann, der polarisierte: Der Philosoph Leonard Nelson starb vor 90 Jahren.

Mit seiner Haltung war Leonard Nelson schon als Schüler angeeckt. So soll er in einem Schulaufsatz zum Thema „Was denke ich mir beim Anblick der Siegessäule“ nur einen Satz geschrieben haben: „Beim Anblick der Siegessäule denke ich mir gar nichts.“

Leonard Nelson war Mitbegründer der Philosophisch-Politischen Akademie und des Internationalen Sozialistischen Kampfbunds (ISK). Er vertrat die Idee eines ethischen Sozialismus. Unter anderem wandte sich Nelson gegen jede Form der Ausbeutung – und leitete daraus ab, dass auch Tiere nicht ausgebeutet werden durften. Er war Vegetarier. Auch Alkohol trank er nicht.

Früher Tod in Göttingen

Trotz dieses gesunden Lebensstils wurde Nelson nur 45 Jahre alt. Er starb 1927 in Göttingen – „an Lungenentzündung und Überarbeitung“, sagt Ralf Schaper.

Leonard Nelson wurde auf dem Gelände der Walkemühle beerdigt. Die Nazis verlegten den Grabstein Nelsons, der jüdische Vorfahren hatte, auf den jüdischen Friedhof in Melsungen, wo er sich bis heute noch befindet. 

Quelle: HNA

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