Kunst am Ei: Geätzt, bemalt, gelöchert

Vorösterlicher Kunsthandwerkermarkt im Fritzlarer Museum

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Fritzlar. Die Zeichen stehen ganz klar auf Frühling. Fünf Wochen vor dem Osterfest zeigten 21 Aussteller im Fritzlarer Regionalmuseum, was man aus Eierschalen mit viel Geschick herstellen kann.

Beim 24. vorösterlichen Kunsthandwerkermarkt ging es auch schon hauptsächlich um Ostern. Neben den klassischen Bemalungen mit bunten Farben, mit Verzierungen durch Zwiebelmuster oder mit Stoff verpackten Eierschalen fielen einige Bearbeitungen besonders auf.

Dazu gehörten die verzierten Eier von der mit 83 Jahren ältesten Ausstellerin, von Gundi Gereke aus dem Felsberger Stadtteil Rhünda. Die Seniorin in der Spitzbetzeltracht verzierte Eier mit Sprüchen und kleinen Gedichten in der Sütterlinschrift. Diese Schrift, auch die altdeutsche Schrift mit dem Haar- und Schattenstrich genannt, wurde noch vor 50 Jahren in den Schulen gelehrt.

Mehrere Bearbeitungsdurchgänge haben auch die Kalkschalen von Heinz und Marlies Dürrbaum aus Gudensberg durchlaufen. Die Ein-Euro-Stück großen Wachteleier sind von Natur aus beigefarben mit Sprenkeln. Damit die Verzierungen gut zur Geltung kommen, ätzt Heinz Dürrbaum die Schale an, wodurch eine weiße Fläche entsteht.

Darauf werden dann in Zusammenarbeit mit Ehefrau Marlis kleine Blümchen wie Veilchen oder Gänseblümchen geklebt, die die beiden Gudensberger gesammelt und getrocknet haben. Zur Konservierung werden die kleinen Kunstwerke noch lackiert.

Ungewohnt sind auch die perforierten Eierschalen von Bernd Harbusch und Ehefrau Kunigunde aus Homberg. Er bearbeitet die zarten Kalkschalen von Huhn, Ente und Gans mit einem Zahnarztbohrer und bringt diverse Muster an. Im ersten Arbeitsgang wird das Muster mit dem Bleistift aufgetragen, dann werden ganz vorsichtig Löcher gebohrt, die dann zu kleinen Fenstern als Kreis, Rechteck oder Raute werden.

In die größeren Freiflächen setzt dann Ehefrau Kunigunde ihre filigrane Maltechnik an. Insgesamt dauert es rund 16 Stunden, ein Ei so zu verzieren.

In diesem Jahr, so die Ausstellungs-Organisatoren Alfons Brüggemeier und Regina Gottschalk-Waage vom Regionalmuseum, habe man zum ersten Mal den vorösterlichen Kunsthandwerkermarkt auf zwei Etagen präsentiert. Es wurde kein Eintritt erhoben.

Der Dank der beiden galt auch den Ausstellern, die Kuchen und Torten für das Kaffeetrinken im Museumscafé gesponsert hatten.

Von Peter Zerhau

Quelle: HNA

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