Vortrag in Beuern: Deutsche Auswanderer -Parallelen zu Flüchtlingen heute

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Von Beuern nach Amerika: Das Foto zeigt Anna Catharina Steinmetz, geborene Römer (sitzend, 2. von rechts). Sie wanderte 1893 mit Anfang 20 von Beuern nach Amerika aus und ließ sich in Iowa nieder. Dort heiratete sie 1903 Heinrich Jacob Steinmetz (sitzend, links neben ihr). Das Paar bekam fünf Kinder. Auch Annas Geschwister Martha, Johann August und Johann Nikolaus wanderten nach Amerika und Großbritannien aus.

Beuern. Erika Carstensen-Bretheuer hat sich mit dem Schicksal von Auswanderern aus Beuern befasst - und dabei viele Parallelen zu den heutigen Flüchtlingen entdeckt. Eine Ausstellung gibt`s am 12. Septmeber.

Sie machen sich auf eine lange, beschwerliche Reise mit ungewissem Ausgang - in der Hoffnung auf ein besseres Leben in einem fremden Land. Diese Sätze beschreiben die Situation der Flüchtlinge, die in diesen Tagen nach Deutschland kommen. Sie beschreiben aber genauso die Situation der Menschen, die vor 150 Jahren den Felsberger Stadtteil Beuern verließen und nach Amerika oder Großbritannien auswanderten.

Zwischen 1844 und 1900 verließen 98 Menschen das Dorf, um ihr Glück im Ausland zu suchen. „Die Motivation der Auswanderer war, dass in Beuern Not und Armut herrschten und sie keine Perspektiven für sich sahen“, sagt Carstensen-Bretheuer. Damit waren die Auswanderer damals nichts anderes als Wirtschaftsflüchtlinge, die heute oft kritisiert werden.

Auch damals gab es Schlepper

„Zwischen 1850 und 1900 war die Landgrafschaft Hessen durch Überbevölkerung geprägt“, sagt Carstensen-Bretheuer. Im Jahr 1878 lebten in Beuern beispielsweise 322 Menschen. Heute hat das Dorf noch 200 Einwohner. „In einem Haus, in dem heute noch zwei Menschen wohnen, lebten damals 19.“ Die Menschen fanden keine Arbeit, es gab wenig zu Essen. Da lockte Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Doch die Reise ins Ausland war teuer, sie kostete das doppelte Jahreseinkommen eines Tagelöhners. Wer auswandern wollte, musste daher ein gewisses Eigentum haben, das er verkaufen konnte. Auch das sei bei den Flüchtlingen heute oft ähnlich, erzählt die Ortsvorsteherin. Sie habe mit einem jungen Flüchtling gesprochen, der jetzt in Beuern lebt - auch bei ihm sei es so gewesen, dass sein Vater alles verkaufen musste, um die Flucht zu ermöglichen.

Wer kein Geld hatte, um die Überfahrt zu bezahlen, musste in Amerika beispielsweise für Farmer arbeiten, mit denen die Schiffskapitäne entsprechende Verträge geschlossen hatten. „Manche Auswanderer waren bessere Sklaven“, beschreibt es Carstensen-Bretheuer. Auch Schlepper gab es im 19. Jahrhundert. Allerdings nur zu Beginn der Auswanderungswelle: Später vergab der Staat Konzessionen an Agenten, die dann im Auftrag des Staates die Ausreise der Deutschen organisierten.

Nur anfangs willkommen

Einmal in Amerika angekommen, hatten es die Auswanderer anfangs leichter als die Flüchtlinge, die heute in Deutschland ankommen. Denn der amerikanische Staat gab den Einwanderern ein Stück Land, das sie bewirtschaften und später für wenig Geld kaufen konnten. Doch ab 1893 begann Amerika, sich gegen Einwanderer abzuschotten, weil man die Konkurrenz um Arbeitsplätze fürchtete.

Die meisten Auswanderer behielten einen engen Bezug zu ihrer deutschen Heimat. Carstensen-Bretheuer berichtet, dass viele wiederum Deutsche heirateten und sehr an ihrer Muttersprache hingen. So fand sie bei ihren Recherchen das Foto eines Grabsteins eines Auswanderers aus Beuern - mit deutscher Inschrift. „Es gab deutsche Zeitungen und deutsche Vereine in Amerika.“ Auch ihre Sitten und Gebräuche behielten die Auswanderer bei: „Es gab damals in Amerika durchaus Kritik am deutschen Lebensstil“, sagt Carstensen-Bretheuer.

Die Veranstaltung

Die Dorfgemeinschaft Beuern lädt für Samstag, 12. September auf Bretheuers Hof in die Hilgershäuser Straße 1 ein. Ab 15.30 Uhr informiert eine Ausstellung über die Schicksale der Auswanderer. Dazu werden Kaffee und frisch gebackenen Waffeln gereicht. Ab 16.30 Uhr wird Erika Carstensen-Bretheuer die Ergebnisse ihrer Nachforschungen zur Auswanderung aus Beuern präsentieren. Die Ausstellung ergänzt den Vortrag mit Fotos, Karten und Dokumenten. Das traditionelle Weinfest beginnt um 18 Uhr mit regionalen und internationalen Weinen sowie kulinarischen Köstlichkeiten.

Quelle: HNA

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