Jörg Müller will am Sonntag, 26. Mai, wieder ins Bürgermeisteramt gewählt werden

Der Vorturner ist bereit

Eine hohe Wahlbeteiligung ist ihm wichtig: Knüllwalds Bürgermeister Jörg Müller (SPD) will nächsten Sonntag zum vierten Mal wieder ins Amt gewählt werden. Foto:  Brandau

Knüllwald. Die Knüllwalder Bürger können bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag, 26. Mai, zwar nicht zwischen mehreren Bewerbern wählen, aber dennoch ihre Stimme abgeben. Alleinkandidat Jörg Müller (SPD) wünscht sich vor allem eines: eine hohe Wahlbeteiligung.

Sie melden sich am Telefon oft mit „Jörg Müller, leidgeprüfter Bürgermeister aus Knüllwald“. Was ist denn das Leid?

Jörg Müller: Das war natürlich ein Scherz, aber klar gibt es auch Leid: Wenn man vergeblich für das kämpft, was den Einwohnern wichtig ist, wenn man hilfsbedürftigen, alten oder kranken Menschen nicht helfen kann.

Als Bürgermeister sind Sie Einzelkämpfer. Wünschen Sie sich nicht manches Mal, dass Sie in einem Team arbeiteten, mit dem Sie Verantwortung teilen könnten?

Jörg Müller: Das sehen Sie völlig falsch. Ich bin zwar oft der Vorturner, aber definitiv kein Einzelkämpfer. Das ist ein großer Trugschluss, denn ich bin in viele Teams eingebunden: In den Gemeindevorstand, ins Parlament, in die Verwaltung. In einem kleinen Rathaus muss der Bürgermeister auch Mitarbeiter sein. Wir alle kämpfen gemeinsam.

Wofür?

Müller: Jeden Tag aufs Neue ums Geld beispielsweise. Wir sind eben eine arme kleine Landgemeinde.

Und damit vom demografischen Wandel stark betroffen.

Müller: Ja. Er macht uns tatsächlich viele Sorgen. Wir müssen zwar heftig gegen Einwohnerschwund und gegen den Leerstand in den Ortsteilen kämpfen, aber es wird auch definitiv kein Dorf zugemacht.

Obwohl doch viel zu viele junge Leute wegziehen.

Müller: Ja, stimmt für Ausbildung oder das Studium gehen viele weg. Aber manche kommen auch wieder zurück. Weil sie hier Nachbarn kennen, weil es hier eine Wohnungsbauprämie gibt, weil das Leben hier lebenswert ist.

Sonst würden Sie am Sonntag wohl auch nicht zum fünften Mal antreten. Warum eigentlich? Sie könnten auch in Pension gehen und es sich daheim vorm Fernseher gemütlich machen. Immerhin waren Sie sehr krank.

Müller: Man braucht schon ein bisschen Zigeunerblut, um diesen Job zu machen und zu lieben. Und genau das tue ich. Außerdem will ich auch viele Dinge, die ich angefangen habe, abschließen.

Seit 24 Jahren begleitet mich beispielsweise das Thema Kanalbau: Da will ich natürlich dabei sein, wenn alles fertig wird. Und mal ganz ehrlich: Kein Fernsehprogramm der Welt ist so gut, als dass ich die Arbeit hier vermissen möchte.

Oje, der Kanalbau - das Thema hat die Menschen wirklich erschöpft und ermüdet. Steht nicht noch was Interessanteres in Knüllwald an?

Müller: Schnelles Internet auf dem Land. Das brauchen wir in Knüllwald dringend, wenn wir die jungen Leute hier halten wollen. Und die Energiewende. Die ist für uns alle wichtig. Außerdem natürlich auch die ärztliche Versorgung und das altengerechte Wohnen – womit wir aber wieder beim demografischen Wandel sind.

Was wünschen Sie sich für die Wahl – mal abgesehen von vielen Ja-Stimmen?

Müller: Eine hohe Wahlbeteiligung. Ich will ein breites Stimmungsbild. Da ich alleine antrete, ist die Wahl zwar eher eine Abstimmung, aber die Leute können und sollen am Wahltag trotzdem ihre Meinung kundtun.

Und klar, natürlich wünsche ich mir auch viele Ja-Stimmen. Es wäre toll, mit richtig breiter Zustimmung in eine neue Wahlperiode zu gehen.

Im Parlament gab es oft richtig Zoff und Streit, da hätte man doch meinen können, die Opposition wüsste und könnte alles besser. Können Sie verstehen, dass die CDU keinen eigenen Kandidaten ins Rennen geschickt hat? Müller: Ja.

Aha. Und warum können Sie das verstehen?

Müller: Weil ich nach 24 Jahren im Amt immer genau weiß, wovon ich spreche, wenn ich über Knüllwald rede. Und weil ich nach so langer Zeit im Amt einfach gut bin.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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