Sabine Perlach ist seit zwei Jahren dabei

Sie wacht über das Krematorium Schwarzenborn

Sabine Perlach

Schwarzenborn. Vier bis fünf Kilo Asche bleiben durchschnittlich von einem Menschenleben. Bis es soweit ist, überwacht Sabine Perlach die Verbrennung am Computer, telefoniert mit Bestattern, nimmt am Rollentor Särge entgegen. Seit zwei Jahren arbeitet die 24-Jährige im Krematorium Schwarzenborn.

Der ständige Umgang mit dem Tod? Sabine Perlach geht mit ihrem Beruf nicht gerne hausieren. In der Familie, im Bekanntenkreis sei es akzeptiert. Manche empfinden allerdings Ekel, erzählt sie. Es käme durchaus mal vor, dass sich jemand nach einem Händedruck mit ihr die Hand abwische. Dabei gehört das ständige Händedesinfizieren zum Job.

In Kassel absolvierte die Neuentalerin eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft, jetzt ist sie Feuerbestatterin. Tote für die Aufbahrung herrichten, Angehörige in der Trauer begleiten, aber auch der Umgang mit Filtern, Chemikalien, Emmissionen: Gefühlsmäßig sei ihre Arbeit im Krematorium einfacher, sagt sie. Zwar seien auch hier die Toten nicht einfach nur Nummern, im Mittelpunkt stünde allerdings der technische Vorgang.

Über zu wenig Arbeit können sie und ihr Kollege Christian Stabler sich nicht beklagen. Mit bis zu zehn Einäscherungen täglich ist das Krematorium dreieinhalb Jahre nach der Inbetriebnahme gut ausgelastet, erklärt Geschäftsführer Dirk Brill, während per Hebekran einen Sarg in Richtung Ofen fährt. Ein Knopfdruck, die Tür geht auf und der Sarg fährt ins gleißende Licht.

Im Nebenraum wird all das aus dem Aschekasten gesammelt, was nicht zum Körper gehört - künstliche Hüften, Schienen, Schrauben Herzschrittmacher. Noch deutlich erkennbar sind Knochenreste. Sie werden in einer Mühle zerkleinert, anschließend rieselt der Staub in die Urne. Das Verwechseln der Asche ist nicht möglich: Eine durchgängige Nummer, eingefräst auf einem runden Schamottstein, garantiert die Unverwechselbarkeit.

Am Rollentor herrscht derweil Hochbetrieb. Christian Stabler nimmt die Särge in Empfang, übergibt den Bestattern im Gegenzug Urnen, die im Urnenschrank aufbewahrt wurden. Mindestens 300 Euro kostet eine Feuerbestattung im Krematorium Schwarzenborn, erklärt Brill. Aufpreise gibt es zum Beispiel für Expressversand der Urnenkapsel, See- oder anonyme Bestattungen.

Frühestens nach drei Tagen ist eine Urnenauslieferung möglich, erklärt Brill, denn zum einen dürfe erst 48 Stunden nach der Sterbzeit eingeäschert werden, zum anderen ist eine zweite Leichenschau notwendig.

Einmal täglich kommt der Amtsarzt ins Krematorium, überprüft die Papiere, untersucht die Leiche. Stellt er Unstimmigkeiten fest, legt er sein Veto ein. Ein Verbrechen, strittige Versicherungsfragen? Dann rückt die Kripo an, sagt Perlacher. Unter Umständen legt der Staatsanwalt seine Hände über den Fall und untersagt eine Einäscherung. Einmal habe sich herausgestellt, dass die Todesursache nicht stimmte, erzählt die Feuerbestatterin. Spätere Untersuchungen ergaben: Der Mann war erschlagen worden.

Von Sylke Grede

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Fotostrecke: Krematorium Schwarzenborn

Krematorium Schwarzenborn

Quelle: HNA

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