Lebensräume müssen weitläufig sein

Wachtelkönige sind zurück in der Schwalm

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Deutlich sichtbar bei einer Beringung: Wachtelkönige sind trotz ihres versteckten Bodenlebens mit verschiedenen Rotbraun- und Blautönen auffallend gefärbt.

Schwalm. Auf die Frage, einen seltenen Vogel zu nennen, ist die Antwort meist eindeutig: Storch, Kranich, Adler. Inzwischen gibt es aber einige Vögel, die nicht nur wesentlich seltener sind, sondern deren Aussterben in weiten Teilen Deutschlands unmittelbar bevorsteht:

Einer davon ist der Wachtelkönig, der in diesem Jahr wieder in den Auen der Schwalm zu Hause ist. Wachtelkönige sind geheimnisvolle Vögel. Selbst erfahrene Vogelkundler bekommen den Vogel so gut wie nie zu sehen, da er sich als Bodenbewohner abwechslungsreicher Feuchtwiesen vor Feinden sehr gut zu verbergen weiß und nur nachts seinen auffallenden Ruf erschallen lässt.

Mehrere Jahre war dieser Ruf selbst in den Auen der Schwalm, einem der letzten fünf Brutgebiete in Hessen, nicht mehr zu hören. Nun aber rufen an drei Stellen wieder insgesamt sechs Wachtelkönige, ein großer Erfolg für die Naturschutzbemühungen der Stadt Schwalmstadt und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und des Naturschutzbundes (NABU).

Bei den rufenden Wachtelkönigen handelt es sich tatsächlich um „kleine Könige“, also um Männchen. Mit den anhaltenden, weitschallenden „räp-räp, räp-räp, räp-räp“-Tönen werden die nachts auf der Suche nach Männchen umherfliegenden Weibchen angelockt. Sind die Rufe von mehreren Männchen zu hören, schließen die „Königinnen“ auf ein gutes Brutgebiet und lassen sich dort nieder.

Ihre Lebensräume müssen daher nicht nur einige dutzend Hektar groß und recht still sein, damit die Weibchen die Rufe überhaupt hören können. Die Wiesen müssen zudem blütenreich und lückenhaft sein, so dass sich selbst die winzigen Jungtiere, knapp von der Größe einer Euro-Münze, schon kurz nach dem Schlupf schnell zwischen den Gräsern bewegen können, um sofort ihre aus kleinen Insekten bestehende Nahrung zu erwischen.

In gedüngten, dichten Löwenzahnwiesen, wie sie aus Landwirtschaftssicht am günstigsten sind, können die kleinen Küken nicht durch die Vegetation dringen und verhungern schnell. Wenn es überhaupt zum Schlupf von Küken kommt: Meist geht das Gelege schon zuvor verloren, weil die Wiesen spätestens Ende Mai gemäht werden. Das alles erklärt, warum Wachtelkönige inzwischen so selten geworden sind.

In Hessen ist die Art sogar derart selten, dass jüngst Steffen Koschkar als Experte der Vogelschutzwarte in Frankfurt anreiste, um in Schwalmstadt die seltene Gelegenheit zu nutzen, einen der Wachtelkönige zu beringen. Dabei wird dem Vogel ein kleiner Metallring mit eingravierter Kennzahl angelegt. Kommt der Vogel wieder in menschliche Hände, kann der zurückgelegte Weg festgestellt werden was Aufschluss über weitere Schutzmöglichkeiten gibt.

Von Stefan und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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