Wälder gemeinsam gegen den Klimawandel rüsten und umbauen

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Interessieren sich für das Image verschiedener Waldnutzergruppen: Studentin Sarah Färber und Dr. Jochen Godt vom Fachgebiet Landschafts- und Vegetationsökologie der Uni Kassel. Die 26-Jährige hat einen Fragebogen entwickelt, mit dem sie in Anhängigkeit vom Wissen der Befragten, die Akzeptanz waldbaulicher Maßnahmen erfassen möchte.

Wolfhager Land. Der Klimawandel hat Folgen. Deshalb sind die Kommunalwälder in einem Pilotprojekt. Ziel ist ihre richtige Umgestaltung - und das geht nur gemeinsam.

Der Klimawandel lässt sich nicht mehr wegdiskutieren. In dieser Einschätzung sind sich die Experten einig. Im Frühjahr, wenn die Natur den Niederschlag braucht, regnet es seltener, und die Temperaturen steigen. Auf das Gleichgewicht im Wald haben die klimatischen Veränderungen Folgen. Bäume werden gegenüber Krankheiten anfälliger, der Wald ist weniger robust. In einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt soll für die Kommunalwälder Naumburgs, Wolfhagens, Zierenbergs und Caldens nach Problemlösungen gesucht werden.

Ziel ist es, die Wälder so zu entwickeln und umzugestalten, dass sie die Folgen des Klimawandels besser tolerieren können. Neben dem Forstamt Wolfhagen und Wissenschaftlern der Universität Kassel sind Kommunalpolitiker, die Jägerschaft und weitere Waldnutzergruppen an dem Projekt beteiligt.

Widersprüchliche Ziele 

Die Herausforderung bestehe darin, die unterschiedlichen Ansprüche verschiedener Nutzer so aufeinander abzustimmen und zu verändern, dass die Waldanpassung gelingen kann, meint Dr. Jochen Godt vom Fachgebiet Landschafts- und Vegetationsökologie der Uni Kassel. „So verfolgen Jäger und Förster durchaus unterschiedliche Ziele“, sagt der Wissenschaftler. Jägern gehe es unter anderem darum, Wild zu erlegen. Das allerdings erzeugt bei den Tieren im Wald Stress und führt dazu, dass Rotwild die Rinde von Bäumen schälen und Rehe junge Baumtriebe fressen - ein Effekt, der das Bestreben der Förster untergräbt, die Wälder artenreicher zu machen und neben Naturverjüngung verschiedene Laubbaumarten anzusiedeln, die mit dem Klimawandel besser zurechtkommen als Buchen und Fichten.

Die Studentin der Landschaftsplanung Sarah Färber hat im Zuge ihrer Bachelorarbeit einen Fragebogen entwickelt. In ihm will die 26-Jährige gruppenspezifische Sichtweisen zur Notwendigkeit der Klimafolgenanpassung im Wald sowie zur Ausübung der Jagd als nachhaltige Landnutzungsform analysieren. Es geht also um die Akzeptanz waldbaulicher Maßnahmen und um den Wissenstand derer, die sich zum Thema eine Meinung bilden. Untersucht werden soll auch, unter welchen Bedingungen Einstellungen geändert werden können. Eine Online-Befragung soll die Ergebnisse bringen.

Die Wissenschaft habe einige Vorschläge und Erkenntnisse darüber, wie Wälder umgebaut werden können - zumindest in der Theorie, sagt Godt. „Wir wollen aber der Umsetzung dieser Ideen näherkommen.“ Wer sich für das Projekt „Klimwald - erfolgreiche Klimaanpassung im Kommunalwald“ interessiert und die Bachelorarbeit unterstützen möchte, kann den Fragebogen ausfüllen.

Auftaktveranstaltung 

Die Auftaktveranstaltung zum Projekt „Klimwald - erfolgreiche Klimaanpassung im Kommunalwald“ findet am Freitag, 6. Februar, ab 18 Uhr im Haus des Gastes in Ippinghausen statt. An dem Abend wird Prof. Dr. Ulf Hahne von der Uni Kassel das Vorhaben, das vom Bundesministerium bis zum Sommer 2017 finanziell gefördert wird, den Zuhörern vorstellen. Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake und der Leiter von Hessen-Forst, Michael Gerst, werden zum Thema sprechen. Volker Diefenbach, Bürgermeister der Gemeinde Heidenrod, wird zum Thema Erfolgreiches Jagdmanagement im Kommunalwald referieren und Praxiserfahrungen schildern.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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