Wärme gibt es auch ohne Gas in Körle

Anschluss ans Nahwärmenetz: Auf diesem Grundstück am Buschweg will Architekt Oliver Steyer drei Häuser bauen lassen. Im Hintergrund ist der Körler Kirchturm zu sehen. Foto: Féaux de Lacroix

Während am Ortsrand von Körle ein großes Baugebiet geplant wird, sollen bald neue Häuser mitten im Ortskern entstehen.

Körle. Auf einer Wiese am Buschweg will Architekt Oliver Steyer drei Reihenhäuser errichten. Das Besondere: Die Gebäude werden ans bestehende Biomasse-Nahwärmenetz in Körle angebunden.

Das Thema Nahwärme in Körle liegt Steyer, der für die Grünen im Gemeindeparlament von Edermünde sitzt und in Körle sein Architekturbüro hat, am Herzen. Er hatte in den 1990er Jahren mit dem früheren, inzwischen verstorbenen Körler Bürgermeister Fritz Ochs das Nahwärmenetz für das Neubaugebiet Auf dem Hollunder initiiert. Vor vier Jahren ging dann das zweite Nahwärmenetz im Körler Ortskern in Betrieb. Heizwärme und Warmwasser werden mit Holzhackschnitzeln erzeugt.

Kein Öltank im Keller

Gerade jetzt, angesichts des Ukraine-Konflikts und möglichen Sanktionen Russlands, ist das Thema Nahwärme aktuell: „Eine regionale Versorgung macht uns unabhängig vom russischen Gas“, sagt Steyer. „Für uns Investoren ist das Nahwärmenetz ein Geschenk.“

Schließlich bedeute es auch für die künftigen Bewohner der Häuser viel Komfort: Den Öltank im Keller können sie sich sparen.

„Dorfkerne haben das Potenzial für ein Nahwärmenetz“, ist Oliver Steyer überzeugt. Derzeit allerdings hätte es diese Form des Heizens schwer: „Gas ist im Augenblick sehr billig, da hat Heizen mit Biomasse kaum noch Chancen“, sagt er.

Das zeigt sich durchaus auch am Beispiel Körle: 2016 könnte die Gemeinde einen Anschluss an eine Erdgasleitung bekommen. Eon will in diesem Jahr noch Teile Guxhagens erschließen, die Leitung könnte nach Körle verlängert werden. Eine Bedarfsabfrage ergab: 85 Körler Haushalte meldeten Interesse an einem Erdgasanschluss an.

Steyer hingegen hält es für sinnvoll, weitere Körler Ortsteile ans Nahwärmenetz anzuschließen. „Man könnte eine neue Heizzentrale einrichten, die gröbere Holzstücke verarbeiten kann“, sagt der Architekt.

Aus Sicht von Steyer müssten Förderprogramme wie die Dorferneuerung besser koordiniert werden. „Dann könnte man beispielsweise auch Zuschlüsse für den Anschluss kommunaler Gebäude ans Nahwärmenetz erhalten“, sagt er.

Junge Leute in den Ort holen

Mit seinem Bauprojekt will Steyer aber nicht nur die Kundschaft des Nahwärmenetzes vergrößern. Ihm geht es auch darum, den Ortskern zu beleben. Seine Zielgruppe sind Familien: „Man muss junge Leute in den Ortskern holen“, findet er.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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