Die Band Chip’n’Steel gab am Samstag ihr Weihnachtskonzert in Homberg

Die wahren Supertalente

Fern jeder simplen Coverband: Chip’n’Steel ließ es am Samstag in Homberg krachen. Von links sind Christina Koch, Jürgen Bock, Harry Stingl, Hugo Scholz und Michael Dippel zu sehen. Es fehlen Rüdiger Volze am Schlagzeug und Kalle Paltinat am Keyboard. Foto:  Brandau

Homberg. Am Samstag fand das Finale von Deutschlands Suche nach dem Supertalent statt. Angeblich ist das Freddy Sahin-Scholl. Der aber kann nur froh sein, dass die Band Chip’n’Steel nicht am Wettbewerb teilgenommen hat, die zeitgleich ihr Weihnachtskonzert im Homberger Lokal Cyrano gab.

Die wahren Supertalente heißen nämlich Michael Dippel, Kalle Paltinat, Jürgen Bock, Harry Stingl und Rüdiger Volze – auch wenn Dieter Bohlen nichts mit ihren Namen anfangen kann. Wer meint, das sei übertrieben, sollte an dieser Stelle nicht weiter lesen. Denn es folgt die Lobhudelei einer Band.

An dieser Stelle setzt die Begeisterung für fünf Vollblutmusiker ein, von denen jeder ein großes Talent darstellt. Sie alle zusammen bilden eine Truppe, die ihre eigenen Stärken kennt und die der anderen schätzt.

Santana hätte gejubelt

An dieser Stelle endet auch der Gebrauch von abgedroschenen Bezeichnungen wie Coverband. Covern bedeutet, dass man ein Lied mehr oder weniger gut nachspielt. Was aber Chip’n’Steel macht, hat nichts damit zu tun. Sie nehmen einen bekannten Song als grobe Vorlage. Dann verwandeln, bereichern, vertiefen sie ihn mit wuchernden Soli und donnernden Duetten. Oft kommt eine Version dabei heraus, die die ursprüngliche glatt an die Wand spielt.

Chip’n’Steel spielte Carlos Santanas „Black Magic Woman“ in einer Fassung, die Santana aus der Fassung gebracht hätte. Michael Dippel pumpte, blies, trieb, spuckte und stöhnte die Melodie bis zur HipHop-Grenze auf, boxte den Beat dröhnend vorwärts und schlug tiefe Breschen in die Melodie.

Damit riss er Publikum und Band vom Hocker. Denn Michael Dippel ist kein Solist im Wortsinne: Wenn er sich mit Hugo Scholz zusammentut, zeugt das von blindem Verstehen. Die Sänger konkurrieren nicht, sie ergänzen sich.

„Black Magic Woman“ war auch eine Steilvorlage für den Wundergitarristen Harry Stingl aus Fritzlar. Wenn Carlos Santana ihn gehört hätte, wäre das ein weiterer Grund für den Altmeister gewesen, das zu tun, was alle anderen im Raum schon taten: die Welt vergessen und jubeln. Mittlerweile ein festes Bild in der Band ist Christina Koch aus Homberg.

Die 23-Jährige Sängerin hat sich einen festen Platz erarbeitet. Sie fordert Raum, ohne sich abzusondern, integriert sich, ohne sich aufzugeben. Eine gelungene Symbiose, auch zwischen den Generationen.

Es ist völlig egal, was Dieter Bohlen denkt. Den Wettbewerb ums Supertalent gewinnt Chip’n’Steel. Und zwar seit Jahren.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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