Waldfläche am Escheberg könnte Vorrangfläche für Windkraft werden

Der Escheberg: Eine Fläche von knapp 70 Hektar um die 449 Meter hohe Erhebung ist im Teilregionalplan als Vorrangfläche für Windenergie vorgesehen. Foto: Thon

Escheberg. Mit knapp 70 Hektar zählt das Gebiet „Am Escheberg“ zu den größeren Flächen im Wolfhager Land, die im neuen Teilregionalplan als Vorranggebiet für Windenergienutzung vorgesehen sind.

Das Vorkommen von Schwarzstörchen hat die Planer offenbar nicht daran gehindert, die Region als Vorranggebiet zu betrachten. In einer Erläuterung, die der Haupt- und Planungsausschuss der Regionalversammlung mitträgt, heißt es: „Die Schwarzstorchfrage wird im anstehenden Genehmigungsverfahren geklärt.“

Bereits im ersten Entwurf des Regionalplanes war das Waldgebiet auf halber Strecke zwischen Zierenberg und Breuna mit gut 40 Hektar enthalten. Nun soll es mit einem 22 Hektar großen Areal nordöstlich von Niederelsungen zusammengelegt und um sechs Hektar erweitert werden.

Für Naturschützer und Forstleute ist der Bereich interessant, weil es mehrere Horste des sehr seltenen Schwarzstorches gibt. Zwar habe sich der südliche Brutstandort an der A 44 nicht bestätigt - das geht aus einer neueren gutachterlichen Untersuchung und aktuellem Datenmaterial der Staatlichen Vogelschutzwarte hervor. Dafür aber existierten weiter nördlich zwei Horste, auf denen die Vögel immer wieder mal brüten. Diese jedoch lägen etwa zwei Kilometer und damit mit „ausreichend großem Abstand“ vom Planungsgebiet „Am Escheberg“ entfernt, heißt es in den Erläuterungen des regionalplanerischen Vorschlags.

Breunas Revierförster Wilfried Bott bestätigt das Vorkommen des Schwarzstorches. Aus Rücksicht auf die Tiere dürfe von März bis September im Umfeld der Brutstätte nicht gearbeitet werden. Die Vögel seien scheu, Wanderer hätten sie schon einmal aus ihrem Horst vertrieben. Ob Windräder am Escheberg den Vögeln ins Gehege kommen könnten, lasse sich schwer sagen, meint Bott. Auf die Windräder bei Breuna hätten sich die Schwarzstörche zubewegt.

Der Planbereich „Am Escheberg“ befindet sich innerhalb eines Privatwaldes. Dessen Eigentümer Philipp von der Malsburg bewertet die Entwicklung derzeit gelassen. „Sollte es seitens des Naturschutzes Bedenken geben, wird der Bereich wohl als Vorranggebiet von der Liste gestrichen“, sagt er. Probleme sieht Theo Arend an ganz anderer Stelle. Arend ist Vorsitzender des Naturschutzbeirates des Landkreises Kassel und kritisiert, dass mehrere große Planungen parallel laufen. Suedlink, Windräder, Salzlauge - sie alle seien gigantische Projekte mit starken Auswirkungen auf die Natur und enormen Flächenverbrauch. „Ich mache mir da große Sorgen“, sagt Arend. Er plädiert für eine Bündelung der Gebiete.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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