Waldkindergarten: Kinderzimmer in der Kältekammer

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Gute Laune im Schnee: Die Kinder des Waldkindergartens sind bei jeden Wetter draußen. Im Bild vorne Phillip Grunewald (4) und Neela Huber (2), hinten von links Mateo Brüll (4), Samionos (5) und sein Bruder Elijah Fricke

Niedenstein. Von diesen Rackern können wir uns alle eine Scheibe abschneiden. Neun Kinder trotzen dick eingemummelt dem Schnee und der klirrenden Kälte von bis zu minus 17 Grad Celsius.

Die Jungs und Mädels des Niedensteiner Waldkindergartens tollen mit rosa Backen herum, nehmen Anlauf und schlittern durch den Schnee, sie bauen Schneemänner in allen Größen und folgen Tierspuren. Der vierjährige Phillip Grunewald schaukelt im Sommer zwar auch gerne mal in der Hängematte, den Winter mag er aber noch lieber.

Hintergrund

Träger des Kindergartens ist der Johanneshof Baunatal. Die Betreung kostet bis zu 126 Euro. Schnuppertage für Kinder sind möglich.
• Kontakt: Anna Fricke, Tel. 05624/922854

„Wir wollten einen reinen Waldkindergarten“, sagt die 31-jährige Anna Fricke, Leiterin der Institution. Dazu gehöre eben auch, bei jedem Wetter den Tag im Freien zu verbringen. Vor extremer Witterung und bei Sturmwarnung schützen sich die drei Erzieher und die Kinder in ihrem Bauwagen. Dort wird gelesen, gebastelt und jeden Morgen gemeinsam gefrühstückt. Natürlich nur im Winter, im Sommer wird draußen gegessen. Die Kinder seien in den Monaten in der Natur, agiler, ausdauernder und aufmerksamer geworden, sagt Fricke. Und sie würden seltener krank. Zwar laufe auch mal die Nase, aber das Immunsystem sei deutlich stärker.

Verfassung verbessert

Diese Erfahrung hat auch Tatjana Pogrezki gemacht. Die 28-jährige Erzieherin ist seit etwas mehr als einem Jahr Gruppenleiterin der Waldkinder. Ihre gesamte Verfassung habe sich verbessert. Jeden Morgen steige sie aus dem Auto und freue sich auf den Tag in der Natur. Mit allen Widrigkeiten. Ob Matsch, Graupel oder Nieselregen, es gebe eigentlich kein Wetter mehr, dem sie nicht etwas abgewinnen könne. Gerade mal zweieinhalb Jahre alt ist Neela Huber. Nach 15 Minuten am Frühstückstisch rutscht sie nervös auf der Bank herum. „Kann ich wieder raus?“, fragt sie leise und strahlt über beide Backen. Die Betreuungszeit geht von 7.30 bis 13.30 Uhr. Länger sei nicht möglich, sagt Anna Fricke. Da die Kinder keinen Mittagsschlaf machten, würde die Zeit draußen sonst zu lang.

Die anderen Kinder lassen sich nicht lange Bitten. Sofort herrscht Unruhe, schichtweise wird sich angezogen, die Handschuhe vom Ofen genommen und raus geht es in die Kälte, obwohl, kalt ist den Kindern ja nicht.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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