Wallgraben: Billiglösung wird befürchtet

Explosive Funde: Das Justizministerium hatte den Beginn der Kampfmittelbeseitigung im Wallgraben in Ziegenhain für diesen Sommer versprochen. Bisher tut sich dort nichts.

Ziegenhain - Noch immer tut sich nichts in Sachen Kampfmittelbeseitigung im Ziegenhainer Wallgraben. Obwohl Justizstaatssekretär Rudolf Kriszeleit bereits im Februar erklärt hatte, dass noch in diesem Sommer mit der Räumung der Altlasten begonnen werde, gibt es dafür bis jetzt keine sichtbaren Zeichen.

Über den aktuellen Planungsstand wollte das Justizministerium gestern keine Auskunft geben. Ungeklärt scheint immer noch die Finanzierung: 94 Prozent der dort abgelagerten Munition stamme aus Wehrmachtsbeständen, und für deren Beseitigung müsse der Bund gerade stehen, hieß es aus dem Ministerium. Dort geht man davon aus, dass vor dem Start der Kälteperiode nicht mehr mit dem Beginn der Arbeiten zu rechnen sei.

Noch immer scheinen nicht alle Gutachter ihre Einschätzung abgegeben zu haben. Das geht auch aus einem Schreiben aus dem Justizministerium hervor, das der HNA vorliegt: „Das im August 2010 in Auftrag gegebene Gutachten sollte zunächst im März 2011 vorliegen; der Vorlagetermin wurde dann mehrfach vom Ingenieurbüro wegen der komplexen Aufgabenstellung verschoben“, heißt es darin. Dieses Gewässer bezogene Gutachten untersuche vor allem, wie sich das Erdreich bei der geplanten Teilentleerung voraussichtlich verhalten werden. Dies sei von ausschlaggebender Bedeutung für die Anwohner, heißt es in dem Schriftstück weiter: „Abrutschendes Erdreich könnte in einigen Bereichen private Gebäude gefährden.“

Ähnliche Informationen liegen Mathias Reitz vom Fischereiclub Neptun Ziegenhain vor. Seinen Kenntnissen nach soll eine Schlussfolgerung des noch offiziell ausstehenden Gutachtens eine umfassende Sanierung des Wallgrabens für nicht erforderlich halten. Er habe zudem die Auskunft bekommen, dass dem Gutachten zufolge lediglich die Kopfbereiche der Wallgräben sanierungsbedürftig seien. Um den Durchfluss der Gräben zu gewährleisten, sollen diese Bereiche ausgebaggert werden.

Der Angelsportverein kann den Wallgraben als Gewässer bereits seit vier Jahren nicht mehr nutzen, die Pflege beschränkt der Verein auf Uferbereiche. Die Folge: Der Graben droht zu verlanden.

Insgesamt befürchtet er eine „Billiglösung“ für den Wallgraben, die keine grundlegende Sanierung beinhaltet.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare