Warum nicht in Waltersbrück? Hobby-Historiker Richard Faust geht Gerüchten nach

Dem Bahnhof auf der Spur

Unterwegs mit der Kamera: Richard Faust dreht einen Film über sein Heimatdorf Waltersbrück. Er interessiert sich für die Geschichte des kleinen Ortes an der Bahnstrecke und der Schwalm. Foto: Hebeler

Waltersbrück. Ob jemals ein Bahnhof für den heutigen Neuentaler Ortsteil Waltersbrück geplant war oder nicht, bleibt ein Mysterium. Einer, der sich dieser Frage widmet, ist der Waltersbrücker Richard Faust. Er dreht zurzeit einen Dokumentarfilm für sein Dorf und stieß bei den Recherchen immer wieder auf widersprüchliche Aussagen.

Mit dem Bau der Main-Weser-Bahn wurde im Jahre 1846 begonnen. So steht es im Buch „Die ersten Eisenbahnen in Hessen“ von Ludwig Prage. Dieses Buch ist nur eines von vielen, das der Hobby-Historiker sich angeschafft hat, um herauszufinden, ob es einen Bahnhof in Waltersbrück geben sollte oder nicht.

Die Main-Weser-Bahn war als direkte Verbindung zwischen Kassel und Marburg gedacht. Nachdem die Schwalm kein unüberwindbares Hindernis mehr darstellte, konnte die direkte Verbindung von Kassel kommend über Borken nach Zimmersrode realisiert werden.

Dass dort ein Bahnhof gebaut wurde, sei eigentlich ungewöhnlich, so der Geschichtsforscher und Spezialist für Eisenbahnbau, Lutz Münzer, vom Staatsarchiv Marburg. Denn nur Städte hätten damals einen Bahnhof bekommen.

Er erklärt die Entscheidung für Zimmersrode mit dem großen Einzugsbereich von Zwesten und dem Kellerwald her. Da Zimmersrode nur zwei Kilometer von Waltersbrück entfernt ist, war damit die Entscheidung zugunsten von Zimmersrode ausgefallen.

Besonders in der großen Chronik von Dr. Ferdinand Achler werde darauf verwiesen, dass der Prinz von Hanau die Trassenführung maßgeblich beeinflusst habe, berichtet Faust weiter. Doch habe der Prinz die Ländereien und das Gutshaus in Oberurff erst um 1871 von der Witwe des Vorbesitzers, dem Landesdirektor Philipp von Winzigerode, erworben. Gerüchte, die den Prinzen beschuldigen, die Bahntrasse durch Zwesten und Oberurff aus selbstsüchtigen Gründen verhindert zu haben, seien damit ausgeschlossen, so Faust.

Im Heimatkalender von Fritzlar-Homberg fand der Hobbyhistoriker noch eine Erklärung für die Ungereimtheiten. Denn ab 1903 wurde die Kellerwaldbahn, „das Bähnchen“, geplant und 1911 eröffnet. Diese kleine Bahn sollte Zimmersrode mit Gemünden verbinden. Da gab es offensichtlich Petitionen von der Bevölkerung, die sehr gern eine Bahnstation in Oberurff gehabt hätte. Doch diese Streckenplanung wurde offensichtlich von dem Prinzen, dem damaligen Bürgermeister Süße in Zwesten und dem Abgeordneten des preußischen Landtages, Herrn von Baumbach, verhindert. Vermutlich war diese Begebenheit der Grund für die oben genannten Gerüchte.

Enteignungs-Gesetze

Nicht zuletzt höre man heute immer noch den Vorwurf, die Bauern hätten kein Land hergeben wollen, und deshalb sei der Bahnhof nicht gebaut worden, so Faust. Doch für den Bau der Bahnstrecken habe es spezielle Enteignungsgesetze gegeben, belegt er mit von ihm entdeckten Quellen. Letztendlich sei an der Geschichte, Waltersbrück hätte einen Bahnhof bekommen sollen, wohl nichts dran.

Von Helga Hebeler

Quelle: HNA

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