Das Wanderdorf Stolzenbach feiert Geburtstag

Stolzenbach. Wenn Ruhe und Stille der wahre Luxus der Neuzeit sind, dann lebt es sich in Stolzenbach sehr luxuriös: In Borkens kleinstem Stadtteil geht es an 364 Tagen im Jahr eher beschaulich zu.

Nur nicht am 1. Mai: Dann fallen seit Jahr und Tag Heerscharen von Wanderern ein und überrennen das Dörfchen, in dem exakt 90 Erwachsene und vier Kinder leben. Eine kleine Truppe - mit großem Zusammenhalt.

Der zeigt sich sowohl im Alltag als auch bei Feiern. Und in diesem Jahr steht ein ganz besonders großes Fest an: Der Borkener Stadtteil feiert am Freitag, 29. April und am Sonntag, 1. Mai, seinen 750. Geburtstag.

Es ist kein Zufall, dass die Stolzenbacher bei der Terminwahl auf den 1. Mai setzten: Der ist schließlich schon seit genau 40 Jahren ein echter Feiertag fürs ganze Dorf. Seit 1976 strömen all die ins Dorf, die gut zu Fuß sind und ein schönes Dorf und gute Gastgeber zu schätzen wissen: Die Stolzenbacher richten seit vier Jahrezehnten den Volkswandertag aus. Und begrüßen dabei immer hunderte Besucher.

In diesem Jahr könnte der Zulauf noch größer werden, denn auch wenn die Wanderer wandern und die Frühlingsfreunde den 1. Mai feiern, steht doch ganz klar in diesem Jahr der runde Geburtstag und die lange Geschichte des Walddörfchens im Mittelpunkt des Tages.

Diese ist aber auch von Tragik und Dramatik geprägt: Zur Historie von Stolzenbach gehört das schwere Grubenunglück, bei dem am 1. Juni 1988 über 50 Bergleute ums Leben kamen. „Wir fahren jeden Tag an der Gedenkstätte vorbei - wir können, wollen und werden diese Katastrophe nicht vergessen“, sagt Ortsvorsteher Ulrich Kiwitt.

Das Unglück hat unauslöschbare Spuren hinterlassen - im Gedächtnis der Menschen und in den Wänden vieler Häuser hinterlassen, manche von ihnen tragen Risse, die noch heute von der Wucht der Explosion in der Grube zeugen. In der Festschrift, die die Stolzenbacher Einwohner gemeinschaftlich zusammengetragen und erstellt haben, gehen sie aufs Unglück ein.

Aber auch auf die schönen Erinnerungen und Dinge , die das Leben im Dorf und auf dem Land mit sich bringt. „Es ist eine gute Gemeinschaft, die hier wohnt“, sagt Ulrich Kiwitt. Und das scheinen nicht nur die Stolzenbacher zu wissen. Im Dorf ist jedes Haus bewohnt, das Thema Leerstand berührt das Dorf damit überhaupt nicht. Das ist die gute Nachricht: Jedes Haus ist bewohnt. Allerdings: Es wird kein weiteres Haus hinzu kommen, denn es gibt kein Bauland rund um den Ort.

Das Gebiet um Stolzenbach gilt als Bergbausenkungsraum. Es treten Pingen auf, jene trichterförmigen Absenkungen im Erdreich, die mit dem Bergbau einher gingen und noch heute von ihm zeugen. Die Stolzenbacher werden also auf absehbare Zeit unter sich bleiben.

Am 1. Mai aber wollen sie auf keinen Fall unter sich bleiben: An diesem Tag ist jeder willkommen, der gerne mal einen fröhlichen Geburtstag in einem netten Örtchen feiern will.

Quelle: HNA

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