Wanderfalke gezielt mit vergifteter Taube getötet

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Breuna. Ein artengeschützter Wanderfalke, der bereits am 31. Mai tot an der Autobahnbrücke zwischen Breuna und Rhöda gefunden wurde, ist an dem tödlichen Gift E605 verendet.

Eine toxikologische Untersuchung in der vergangenen Woche ergab, dass er die tödliche Chemikalie über eine Taube eingenommen hatte, die eigens zu diesem Zweck damit vergiftet worden war.
Der tote Wanderfalke, der, als man ihn fand noch eine tote Taube in den Fängen hielt, beschäftigt seit einiger Zeit die Obere Naturschutzbehörde (ONB) beim Regierungspräsidium und jetzt auch die Kasseler Polizei. Blaues Pulver an beiden Vogelkadavern hatte den Verdacht erregt und die Laboruntersuchungen haben die Vermutung bestätigt. In der vergangenen Woche hatten die toxikologischen Laborbefunde den Verdacht bestätigt. Auf dem Gefieder der Taube wurde das tödliche Gift E605 gefunden.

Der Falke hatte es nach dem Schlagen der Taube aufgenommen und war daran verendet. Das zeigten laut Polizeiangaben blaue Spuren an seinen Fängen und dem Schnabel. Die ermittelnden Beamten des Kriminalkommissariats K 23/24 der Kasseler Kripo und die Obere Naturschutzbehörde gehen inzwischen davon aus, dass die Taube ganz gezielt mit dem Gift präpariert wurde. Der Zustand der Taube deutet außerdem darauf hin, dass der oder die Täter die präparierte Taube vollgefressen haben auffliegen lassen, um Habichte oder Falken mit der schwerfälligen Beute zu locken, also gezielt zu vergiften.

Menschen und Tiere gefährdet

Die besondere Brisanz des Fundes ergibt sich laut Polizeiangaben aus der hohen Giftigkeit von E 605, das aus diesem Grunde auch so stark eingefärbt ist. Von beiden Kadavern ging große Gefahr für Leben und Gesundheit von Mensch und Tier aus.  Bereits am Dienstag, den 31. Mai hatte ein Mitglied der hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz bei der Brutnesterfassung von Wanderfalken an der Autobahnbrücke der A 44 zwischen Breuna und Rhöda den toten Wanderfalken mit der Felsentaube in den Fängen gefunden und sich wegen der bläulichen Schmierspuren an die ONB gewandt. Dort waren wegen der ungewöhnlichen Fundsituation und den bestehenden Verdachtsmomenten die Laboruntersuchungen veranlasst worden, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

Wanderfalken sind Luftjäger und nach Naturschutzrecht streng geschützt. Sie nehmen kein Aas auf und schlagen ihre Beute ausschließlich im Fluge. Die Taube muss also nach der Vergiftung noch geflogen sein. Im Falle der Taube war das Gift nur am Gefieder nachweisbar. Aus Nordrhein-Westfalen sind Fälle nachgewiesen, in denen Taubenzüchter mit Gift präparierte Tauben, die für Zucht und Wettkampf nicht geeignet sind, aufsteigen lassen, um Habichte zu vergiften. Im Regierungsbezirk Kassel sind bisher keine Fälle dieser Art bekannt. „Es war ein glücklicher Zufall, dass Falke und Taube von einem so sachkundigen und entsprechend vorsichtigen Menschen gefunden wurden“, sagt Rainer Büchner von der ONB. „Bei entsprechend unvorsichtigem Umgang mit den giftbehafteten Kadavern hätten sich die Finder auch selbst schwer schädigen können. Auch Hunde hätten sich tödlich vergiften können“, erläutert der Experte.

Kripo Kassel ermittelt

Die Kripo Kassel hat Ermittlungen wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz eingeleitet. Mögliche Zeugen wenden sich mit Hinweisen bitte an das Polizeipräsidium Nordhessen in Kassel, Tel.: 0561 – 9100.

Quelle: HNA

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