Dieter Magersuppe liebt und pflegt seinen NSU Ro 80

Der Wankel-Fan

Komfortabel wie ein Neufahrzeug: Der eisblaue NSU Ro 80, Baujahr 1970. Dieter Magersuppe aus Gudensberg (Foto rechts) hat viel Zeit und Liebe in die Limousine investiert. Jede der alten Schrauben des Wankelmotors wurde zum Galvanisieren eingeschickt. Fotos: Först

Gudensberg. Man schreibt das Jahr 1969. Dieter Magersuppe fährt einen Citroen DS 19 und schrubbt mit ihm wöchentlich satte 600 Kilometer zwischen Zuhause und Arbeitsplatz. Bis hierher eigentlich eine Geschichte, die nichts Außergewöhnliches an sich hat. Es sei denn, Dieter Magersuppe aus Gudensberg erzählt weiter.

„Meine Frau mochte unseren Citroen von Anfang an nicht. Und jedes, aber auch jedes Mal, wenn wir am Wochenende gemeinsam eine Spazierfahrt machten, dann streikte der Wagen prompt.“ Just zu jener Zeit aber, als die Gattin und die eingeschnappte Blechkiste auf dem Höhepunkt ihres Zickenalarms angekommen waren, wurde in den Medien der neue NSU Ro 80 vorgestellt.

„Es war Liebe auf den ersten Blick”, erinnert sich Karin Magersuppe noch immer, und auch Ehemann Dieter war begeistert von der schicken Limousine mit ihrer aerodynamischen Linienführung, dem langen Radstand, der Einzelradaufhängung und dem 115 PS starken Wankelmotor. Gesehen, getestet, gekauft. Kostenpunkt: 7250 Euro – mit Schiebedach. Seither, sagt Magersuppe, sei er absolut “Wankel-infiziert.“

Inzwischen, aus Gesundheitsgründen vom Metzger umgeschult zum Werkzeugmacher und tätig bei VW, kaufte er 1980 einen stillgelegten NSU Ro 80 bei einem Schrotthändler in Fritzlar. „Der Motor war defekt, aber die Karosserie war gesund“, erzählt der heute 69-Jährige. Dann baute er seine Garage zu einer Werkstatt um und installierte eine Hebebühne.

Muße zum eifrigen Schrauben bescherte ihm alsbald der Vorruhestand. „Ich demontierte alle Teile des Ro 80 und restaurierte sie.“ Die Lackierarbeiten führte die Firma Rieß in Kirchberg aus. Zwei Jahre später war er fertig. „Dieses Auto, Baujahr 1970, hat eigentlich jeglichen Komfort eines heutigen Neufahrzeuges und bietet ein sicheres Fahrgefühl“, schwärmt Magersuppe, noch immer begeistert.

Gefahren wird der eisblaue Hingucker nur bei schönem Wetter. So, saisonal angemeldet, kostet er lediglich 59 Euro Steuer, trotz seiner 115 Pferdestärken. Da er keine Hubkolben hat, erläutert sein Besitzer, wird er nach Gewicht, wie ein Wohnmobil, also mit der geringsten Steuerstufe berechnet. (zrf)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare