Lesung in Homberg

„Das war eine Therapie für mich“: Interview mit Mo Asumang über ihre Erfahrungen mit Rassisten

Waffen, Hakenkreuze und mehr: Robert Killian, der verdeckt vom FBI bei der Aryan Nation Hategroup eingeschleust war, mit Mo Asumang.

Homberg. Es ist eine Morddrohung, die Mo Asumang schließlich zum Umdenken bewegt. Die sie dazu bringt, sich nachts in einem Waldstück mit einem Anhänger des rassistischen Ku-Klux-Klans zu treffen und sich zwischen 3000 Nazi-Demonstranten auf den Berliner Alexanderplatz zu stellen.

Sie will nicht länger das Opfer sein. Die deutsche Moderatorin und Autorin hat selbst erlebt, wie sich Hass anfühlt – und deshalb ein Experiment gewagt. Sie konfrontierte Rassisten und Rechtsradikale mit deren eigenen Ansichten. Ihre Erfahrungen hat sie in ihrem Buch „Mo und die Arier“ beschrieben. Daraus liest Mo Asumang am Mittwoch, 21. März, ab 19.30 Uhr in der Kultur- und Begegnungsstätte „Alte Sparkasse“ in Homberg. Wir sprachen mit ihr über ihre Erlebnisse.

Sie haben angefangen, sich mit Rassisten auseinanderzusetzen, als sie eine Morddrohung bekommen haben. Wie ist es, zu hören „Diese Kugel ist für dich, Mo Asumang“?

Mo Asumang: Erst, als ich mich nicht mehr nach Hause getraut habe, bin ich aktiv geworden. Die Morddrohung hat mir gezeigt, ich muss handeln. Ich habe das vorher immer verdrängt. Nach der Morddrohung bin ich nur noch verängstigt durch die Gegend gelaufen, konnte nicht mehr am Fenster sitzen oder Auto fahren. Das war eine richtige Horrorzeit für mich.

Konfrontiert Rassisten mit deren eigenen Vorstellungen: Regisseurin und Autorin Mo Asumang. Archivfoto: nh

Bekommt man nach solch einer Drohung Zweifel an sich selbst?

Asumang: Ich dachte als Erstes, wie bekomme ich die Ängste in den Griff. Ich musste selbst etwas tun und dachte, das geht nur über persönlichen Kontakt zu Rassisten.

Sie schreiben in Ihrem Buch einen Brief an Herrn H., in dem sie fragen, ob Sie weniger wert sind als ein weißer Mensch. Warum?

Asumang:Ich wollte eine Form finden, in der ich mit Hitler reden kann. Im Buch hat man alle Freiheiten. Was ich meine, ist: Ich konnte ihm meine Meinung sagen – und sagen, wo er falsch lag. Zum Beispiel, dass die Deutschen keine Arier sind.

Also war Ihre Arbeit auch eine Art Selbsttherapie.

Asumang: Das war für mich eine absolute Therapie.

Sie sind zu Nazi-Demos gegangen und haben sich mit dem Ku-Klux-Klan nachts auf einem Waldstück getroffen. Wieso macht man das als afrodeutsche Frau freiwillig?

Asumang: Das war etwas, was ich richtig üben musste. Einfach losgehen geht nicht. Da hat man Angst. Nach ein paar Treffen merkte ich aber, wie die Rassisten reagieren, wenn man offen ist. Man darf niemals wütend dort hingehen. Sonst potenziert sich die Wut. Ich kann den Rassisten nicht vorwerfen, voreingenommen zu sein, wenn ich es selbst bin. Also bin ich über meinen eigenen Schatten gesprungen.

Wie schafft man es, ruhig zu bleiben, wenn man Aggressivität begegnet?

Asumang: Auf den Nazi-Demos gab es immer Bewacher, die oft an meiner Seite waren. Ansonsten habe ich versucht, die Security in mir selbst zu suchen. Dass sind meine positiven Gedanken, dass ist, keine Menschen in Schubladen zu stecken. Ich habe immer versucht, diesen Menschen etwas Positives zu wünschen. Das bedeutet aber, sie müssten sich verändern. Und das wollen die nicht. Dann laufen sie davon.

Rassismus in den USA: Ein Ku-Klux-Klan-Mitglied war bereit, sich mit Mo Asumang für deren Dokufilm „Die Arier“ zu treffen.

War es dann niemals gefährlich für Sie?

Asumang: Doch, es war oft gefährlich. Ich bin geschubst worden, mir wurde vor die Füße gespuckt, ich bekam böse Blicke zugeworfen.

Glauben Sie, dass Sie mit ihrer Arbeit etwas erreichen können?

Asumang:Ja, das glaube ich ganz sicher. Ich habe viele Rassisten kennengelernt. Dabei habe ich jemanden getroffen, der mittlerweile ausgestiegen ist und ein Freund von mir ist. Damit habe ich doch 100 Prozent erreicht. Man braucht nicht die große Weltrevolution. Es reicht doch schon eine Person. Und die findet man überall.

Ihr Motto ist: Einfach immer weiter machen. So lange es geht.

Asumang: Ich mache das inzwischen richtig mit Leidenschaft. Durch die Anfeindungen bin ich viel stärker geworden. Wenn ich Rassisten sehe, flitze ich da erst mal hin und rede mit ihnen, obwohl sie das gar nicht wollen. Das habe ich verinnerlicht. Ich mache immer weiter, ich bin eine richtige Dampfwalze. Und eine Dampfwalze hinterlässt immer einen Weg, auf dem dann andere Menschen gehen können. Ich weiß, ich mache das nicht nur für mich. Ich gebe auch den Rassisten nicht auf. Es ist also auch eigennützig. Wenn ich ihnen helfe, helfe ich mir selbst. Ohne Demokratie müsste ich auswandern.

Quelle: HNA

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