Regierungspräsidium Kassel relativiert den Vorwurf jedoch

Gewässerschützer warnen vor Nitrat: Ist das Fuldawasser zu stark belastet?

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Zu stark belastet? Die Fulda in Melsungen, hier auf einem HDR-Foto des Fotografen Gerhard Schmoll. Es zeigt  im Hintergrund das B.Braun Werk in der Carl-Braun-Straße.

Kreisteil Melsungen. Der Verein VSR-Gewässerschutz erhebt schwere Vorwürfe: Die Fulda weise hohe Nitratkonzentrationen auf, deshalb werde sie bis zum Jahr 2015 die Wasserrahmenrichtlinie nicht einhalten.

Dabei beruft sich der Verein auf die Ergebnisse einer Messfahrt, die er im vorigen Jahr auf der Fulda unternahm. Deren Bilanz: Während in Gersfeld in der Rhön nur 5,3 Milligramm pro Liter gemessen wurden, lagen die Werte in Guxhagen bereits bei 19,2 mg/l und in Melsungen bei 19,4 mg/l pro Liter.

In Hann. Münden, wo die Fulda in die Weser fließt, hat der VSR-Gewässerschutz gar 20,3 mg/l gemessen. Der Normalwert liege aber bei höchstens 11 mg/l Nitrat pro Liter, schreibt der Verein.

Er führt die stets ansteigenden Werte auf zwei Ursachen zurück. Zum einen die sich verändernde Landschaftsform: Je breiter das Fuldatal werde, desto stärker werde es landwirtschaftlich genutzt. Und je höher die Zahl der landwirtschaftlich genutzten Flächen, desto höher die Nitratbelastung. Sie stamme vor allem aus Grundwasser, das in den Fluss zusickert, heißt es in der Mitteilung des VSR. Das sei ein Beweis dafür, dass die jetzige Düngeverordnung zum Schutz des Grundwassers bei weitem nicht ausreiche. Eine Novellierung sei längst überfällig und müsse zügig umgesetzt werden.

Das Regierungspräsidium (RP) Kassel aber sieht diese Ergebnisse wesentlich gelassener: Der Verein lege bei seinen Untersuchungen die falsche Maßeinheit zugrunde und vergleiche deshalb Äpfel mit Birnen. Der VSR gebe seine Messwerte in Form von Nitrat an, erläutert Otto Wilhelm Vicum vom RP. Das sei aber gar nicht üblich, denn normalerweise erfolgten die Angabe bei Oberflächengewässern in Nitratstickstoffkonzentrationen (Nitrat-N). Das meint die Menge an Stickstoff, die in Nitrat vorhanden ist. Die Messwerte des Vereins müssten deshalb um den Faktor 0,226 nach unten korrigiert werden.

Das bedeutet: Die Höchstmenge von 11,3 mg/l werde weder in den Messungen des Vereins noch denen des Landes Hessen überschritten, betont Vicum. Allerdings liegen die Werte über der Empfehlung der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser. Nach der sollten Flüsse die Nitratstickstoffkonzentration von 2,8 mg/l nicht überschreiten. Einen einzigen Punkt aber gibt es, in dem sich Regierungspräsidium und der Verein VSR-Gewässerschutz einig sind dass die Stickstoff-Einträge dringend gesenkt werden müssen.

Dafür müssten nicht etwa die Kläranlagen technisch aufgerüstet werden, sagt Vicum. Eine Reduzierung könne auch erreicht werden, indem man den Landwirten mehr Beratungen zum Thema Stickstoff-Einträge anbiete, so dass deren Menge sinke. (bra/jce)

Quelle: HNA

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