Roswitha Lomp bringt nicht nur Kindern das Schwimmen bei, sie rettete auch Leben

Wasser ist ihr Element

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Wasser ist ihr Element: Roswitha Lomp aus Moischeid rettete mehreren Menschen das Leben. Zudem bringt sie allen Gilserberger Kinder das Schwimmen bei.

Moischeid. 600 Kinder lernten bei ihr das Schwimmen. Roswitha Lomp aus Moischeid ist seit 1972 bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) tätig. Doch die gelernte Hauswirtschafterin hat noch viel Größeres vollbracht: Vier Menschen rettete sie das Leben. Zwei zog sie aus dem Wasser, zwei versorgte sie nach einem Herzinfarkt.

Im Sommer 1974 schnupperte Roswitha Lomp als Aushilfe am Neuenhainer See in die Arbeit eines Rettungsschwimmers hinein. Die damals 20-Jährige hatte beobachtet, dass sich ein behindertes Mädchen immer weiter vom Ufer entfernte. Das Mädchen war weit hinausgeschwommen. „Ich sah, wie sie immer wieder unterging“, erzählte Roswitha Lomp. Ohne zu überlegen stürzte sie sich in den See, zog das Mädchen wieder an Land und rettete sie so vor dem Ertrinken.

„In solch einem Moment setzt man große innerliche Kräfte frei.“

„Danach wollte ich erst einmal sechs Monate lang nicht mehr ins Wasser“, sagte die 59-Jährige. Der DRLG-Vorsitzende der Schwalmstädter Ortsgruppe sprach ihr damals gut zu. „Ich fand meine Freude am Wasser wieder.“

Doch rasch musste Roswitha Lomp ihre Kenntnisse im Rettungsschwimmen und Erster Hilfe wieder anwenden. Als sie in ihrer Freizeit einen Tag am See genoß – an das Datum kann sich Roswitha Lomp nicht mehr erinnern, „es muss vor meiner Hochzeit 1977 passiert sein“ – rettete sie wieder ein Leben. Diesmal einem Mann. „In solch einem Moment setzt man große innerliche Kräfte frei“, sagte sie. Die Hauswirtschafterin dachte nur daran, dass sie dem Mann unbedingt helfen musste. Trotz dieser Erlebnisse bleibt der Neuenhainer ihr liebster See. Doch am schönsten ist es für Roswitha Lomp im Meer zu schwimmen: „Das ist ein Gefühl von Freiheit.“

Später versorgte sie zwei Männer mit Herzinfakt als Ersthelferin. Sie führte ehrenamtlich die Badeaufsichten in Neuenhain, an den Schwarzenbörner Teichen und jahrzehntelang in Moischeid. Vergangenen Sommer beaufsichtigte sie zum letzten Mal das dortige Freibad. „Fast alle Gilserberger Kinder haben bei mir das Schwimmen gelernt“, sagte sie. Die Kurse will sie auf jeden Fall weiterführen. Es bereitet ihr viel Freude, den Jüngsten die ersten Züge im Wasser beizubringen. Manche Kinder lernen das Schwimmen rasch, weiß sie, ein Junge hat allerdings zwei Sommer gebraucht, um sich über Wasser zu halten. Doch Roswitha Lomp brachte noch jeden das Schwimmen bei. Ihr Rezept ist: „Geduld und Liebe.“

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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