Anwohner sind sauer auf Gemeinde

Wasser wird nicht abgeleitet: Wagenfurther fürchten den nächsten Starkregen

Bewohner Christopher Schwarz aus Wagenfurth.

Wagenfurth. Bei Unwetterwarnungen wie „Gewitter mit Starkregen“ wird den Wagenfurthern Angst und Bange. Zweimal hintereinander ist der Körler Ortsteil regelrecht abgesoffen.

Platzregen brachte dermaßen viel Wasser mit sich, dass es flutwellenartig von den Feldern bis hinab in den Ort floss, schildert Christopher Schwarz, der an der Unteren Fuldatalstraße wohnt.

Auch am vergangenen Samstag - wie zuvor schon am Himmelfahrtstag - traf es Wagenfurth hart. Unmengen von Wasser und Matsch spülte es in den Ort, Keller liefen voll, auf Höfen und Gärten hinterließ das Geröll sichtbare Spuren. Die Anwohner sind nicht nur verzweifelt über die Situation, die sich jederzeit wiederholen kann, sie sind verärgert über die Gemeinde. „Man lässt uns einfach im Stich“, sagt Heidi Manßen.

Ihr Keller lief nun innerhalb weniger Tage zweimal voll. Es sei schlicht höhere Gewalt, habe es von Bürgermeister Mario Gerhold geheißen. „Es kann doch nicht sein, dass man sich hinter dieser Aussage versteckt“, ärgert sich Schwarz. Er ist sich sicher, dass die Situation durch Nachbesserungen des Ablaufsystems deutlich verbessert werden könnte.

Zum Beispiel gebe es für all das Wasser, das von den Feldern am Hang durch die Gräben in Richtung Ort fließt, nur ein Auffanggitter. „Sobald das mit Geröll zugesetzt ist, fließt alles in den Ort.“ Beim jüngsten Unwetter rissen die Wassermassen sogar ganze Teerstücke von der Straße mit.

Zudem kümmere sich niemand darum, dass die gepflasterten Gräben regelmäßig ordentlich gereinigt würden. „Es ist immer noch alles voll Matsch, Steine sind locker. Sobald wieder ein Platzregen kommt, haben wir dasselbe Problem, weil alles dicht ist“, ist sich Schwarz sicher. Das Wasser müsste von den Feldern auch noch in andere Richtungen abgeleitet werden, meint der Wagenfurther. „Und wir brauchen dringend mehr Auffanggitter, die sauber gehalten werden.“ Aus seiner Sicht will sich die Gemeinde aus der Verantwortung ziehen. „Das ist eine riesen Frechheit. Das Problem ist nicht neu, es besteht seit Jahren, aber man tut einfach nichts.“

In der Nähe der Kanu-Anlegestelle sammelten sich Unmengen von Schlamm. 

Mittlerweile habe das Wasser auch schon finanziellen Schaden angerichtet, sagt er. Sein geschotterter Hof sei dermaßen verschlammt, dass er eigentlich den Hof auffräsen und neuen Schotter aufbringen müsste. Die Grasfläche, auf der er seine Gänse hält, müsse neu eingesät werden. „Da muss ich einen Bagger mieten und das ganze Erdreich abtragen.“

Heidi Manßen hat noch ein anderes Problem vor ihrer Haustür: eine Ablaufrinne. Diese läuft direkt an ihrem Haus entlang und ist nach den Unwettern nun völlig verschlammt.

 „Wir Anwohner seien zuständig für die Reinigung“, heiße es von der Gemeinde. „Wir wissen nicht, wie wir das machen sollen und wohin mit dem ganzen Matsch.“ In einer E-Mail habe man anhand von mehreren Paragrafen begründet, warum die Gemeinde keine Hilfe anbieten müsse. „Eine Sauerei“, findet Manßen. „Wir sollen sehen, wie wir klar kommen. Dabei sind wir mit unseren vollgelaufenen Kellern schon genug bedient.“

Video mit Aufnahmen der Flut an Himmelfahrt:

Das sagt der Bürgermeister

Nach dem jüngsten Unwetter war das Auffanggitter am Grabenweg völlig verstopft. 

Das Problem bestehe aus mehreren Komponenten, sagt Bürgermeister Mario Gerhold. Das Hauptproblem sei die enorme Wassermasse zu einer ungünstigen Jahreszeit. Die landwirtschaftlichen Flächen seien nicht ausreichend bewachsen.

„Bei diesen Wassermassen könnten wir sonst was für Gitter und Gräben bauen, und auch die würden es nicht schaffen.“ Dennoch gebe es durchaus die Möglichkeit, Einlaufgitter zu vergrößern. Die Gräben seien erst acht Tage vor dem jüngsten Starkregen gesäubert worden. Mindestens zweimal im Jahr erledige der Bauhof diese Arbeit. „Wir achten darauf, dass die Gitter und Gräben frei sind.“ 

Das Problem könne nicht die Gemeinde allein lösen, die Landwirte müssten mit ihrer Bewirtschaftung der Felder ebenso dazu beitragen, dass nicht Unmengen von Mutterboden abgeschwemmt wird. Und dies sei bei Maisanbau eher der Fall als bei Getreide. Ein erstes Gespräch mit den Landwirten habe bereits stattgefunden.

Eine weitere Beratung auch mit Nabu und Jagdgenossenschaft soll Ende Juni stattfinden, „um zu erörtern, wie wir das gemeinsam in den Griff bekommen“. Das Reinigen der verschlammten Rinne gehe über die Anwohnerpflichten hinaus. Das sei ein Unwetterschaden und der Bauhof zuständig. 

Hintergrund

In Wagenfurth wird Mais angebaut. Diese Form der Bewirtschaftung auf den Feldern erhöht die Gefahr von Flutkatastrophen enorm. Das ist das Ergebnis einer Studie der Landesanstalt für Landwirtschaft, dem Deutschen Wetterdienst und der TU München. Anhand von Niederbayern, einem Zentrum des Maisanbaus, wurden die Auswirkungen untersucht. Mais treibt spät aus, bis in den Juni sind die Äcker blank. Starke Regenfälle führen deshalb zu Erosionen und die Erdmassen verschlammen Bäche, verstopfen Abläufe und Rohre. 

Quelle: HNA

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