Der Waßmuthshäuser Pfarrer Ralf Ruckert zieht nach Norwegen

Ralf Ruckert

Homberg. Ralf Ruckert hat keine Angst vor Dunkelheit. Das ist gut so, denn der Pfarrer aus Waßmuthshausen zieht in wenigen Tagen mit seiner Familie dorthin, wo es im Winter gerne etwas länger finster ist: nach Norwegen.

Zehn Jahre lang hat der 40-Jährige im Rinnetal gelebt und gearbeitet. Jetzt bricht er auf zu neuen Ufern – und die liegen an einem Fjord bei Trondheim. Dort tritt er für die kommenden fünf Jahre eine Stelle als Pfarrer an.

Es ist aber ganz bestimmt kein Weg ins Unbekannte, den Ralf und Claudia Ruckert mit ihren Söhnen Oskar (8), Jeppe (6) und Pelle (3) gehen. Das Paar spricht fließend norwegisch, denn es hat vor Ruckerts Amtsantritt im Kirchspiel Waßmuthshausen, Allmuthshausen und Leuderode schon einmal für ein Jahr in Norwegen gelebt. In der selben Pfarrgemeinde, im selben Ort, gar im selben Haus. Die beiden wissen damit genau, was in der neuen Heimat auf sie zukommt.

Von den Ruckerts könnten die oft ahnungslosen Auswanderer, die da ohne eine Idee von Land und Leuten in der Fernsehserie „Good bye Deutschland“ irgendwo ein neues Zuhause suchen, viel lernen. Und nicht nur Ruckert kennt Norwegen, auch die Norweger kennen Ruckert: und zwar nicht nur als Seelsorger, sondern als jenen Mann, der viele deutsch-norwegische Kontakte hergestellt und so einen regen Austausch initiiert hat.

Doch auch wenn es im hohen Norden alles gibt, was die Ruckertschen Herzen höher schlagen lässt – eine feste Stelle, ein schönes Haus, bekannte Gesichter, eine faszinierende Landschaft – so nimmt das Thema Abschied noch viel Raum ein. „Ich habe hier zehn wichtige Jahre verbracht“, sagt Ruckert. Seine drei Jungs sind in dieser Zeit geboren, er hat ungezählte Menschen kennen und schätzen gelernt, hat Jugendliche für die Kirche begeistert, die Sanierungen der Kirchen in Allmuthausen und Leuderode auf den Weg gebracht.

Was bleibt, sind viele gute Erinnerungen. Aber auch ein schlechtes Gewissen, dass er seine Gemeinde in diesen schwierigen Zeiten allein lässt. Denn die Kirche bewältige zurzeit mit starkem Veränderungswillen einen Reformstau. Den spüren besonders die Gemeindeglieder in Verna, Welcherod, Allendorf, Waßmuthshausen, Allmuthshausen, Leuderode, Wernswig und Sondheim. Dort werden die Pfarrstellen reduziert, ein ganz neues Konzept für ein so genanntes Teampfarramt erarbeitet.

Er habe viel Zeit und Energie in dieses Konzept investiert, das Kirche auf dem Landes lebensfähig erhalten soll, sagt Ruckert. Nun sehe es aber so aus, als seien alle getroffenen Vorarbeiten, Absprachen und Kompromisse wegen plötzlicher politischer Einsprüche hinfällig. Das sei ein Aspekt, der ihm den Abschied doch erleichtere. Der aber wird dennoch nicht leicht, denn die Ruckerts sind eng mit den Menschen und Dörfern des Rinnetals verbunden.

„Ich werde garantiert weinen, wenn ich das erste Mal aus Norwegen komme und Waßmuthshausen besuche,“ gibt der 40-Jährige offen zu. Dass er wieder zu Besuch kommen wird, steht außer Frage, denn der deutsch-norwegische kirchliche Austausch geht weiter, denn Ruckert organisiert ihn nun eben künftig von Norwegen aus.

Vielleicht machen die fünf Neu-Norweger demnächst ja im Sommer immer Urlaub im Rinnetal. Um mal wieder zu erleben, wie es ist, wenn es nachts dunkel wird und man gut schlafen kann. Dunkelheit hat tatsächlich auch ihre Vorteile. (bra)

Quelle: HNA

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