In Ungedanken wird seit Jahren eine alte Tradition über Ostern wiederbelebt – Spenden für das Dorf

Weckruf mit der Rassel-Bande

Sie machen richtig Krach: Mit ihren Rasseln marschieren 18 Jungen und Männer aus Ungedanken am Karfreitag und -samstag durchs Dorf und erinnern an Stelle der Kirchenglocken an Gebet und Gottesdienst. Seit 2005 sind sie im Dorf unterwegs und sammeln dabei Spenden. Vorne Julius Siebert. Foto: Lange-Michael

Ungedanken. Fast militärisch streng geht es zu bei den Jungen und Männern, die am Mittwochabend auf dem Sportplatz von Ungedanken üben. Jeder hat ein kleines hölzernes Gerät um den Hals hängen, einer gibt das Kommando, und dann wird gemeinsam rhythmisch geratscht und marschiert.

„Wer falsch dreht, der wird ermahnt“, sagt Wolfgang Popitz. Er gehört zu denjenigen, die vor sieben Jahren eine lange in Vergessenheit geratene Tradition wiederbelebten. Zehn Männer waren es damals, die mit den hölzernen Ratschen übten und dann vor dem Osterfest mehrmals täglich durchs Dorf zogen.

Die selbst gebauten Krachmacher sehen ein wenig aus wie kleine Leierkästen, machen aber erheblich mehr Lärm. Wie laut die Rasseln oder Ratschen sein können, davon können die Ungedänker von Karfreitag 6 Uhr bis Ostersamstagabend ein Lied singen.

Denn vier Mal an den beiden Tagen werden die Einwohner des Dorfes frühmorgens um 6 Uhr geweckt von der Gruppe, die laut lärmend durch den Ort zieht und an den Kurbeln der hölzernen Krachmacher dreht.

Wolfgang Popitz hatte 2005 die Idee, in der Karwoche, wenn die Glocken bis zur Osternacht in den katholischen Kirchen schweigen, mit den Rasseln an die Gebets- und Gottesdienstzeiten zu erinnern.

Der Brauch des Rasselns hatte etwa 50 Jahre Pause in dem Fritzlarer Stadtteil. „Damals waren wir Messdiener und hatten diese Aufgabe übernommen“, erinnerten sich einige der Männer.

Inzwischen wurde das Rasseln in der Karwoche wieder eine Tradition in Ungedanken. Fünf der ersten Gruppe sind noch dabei: Neben Popitz sind das Ludwig Fölsch, Rudolf Fuhrmann, Josef Weber und Erwin Stingl. Außerdem hat sich die Gruppe erheblich verjüngt, viele Schüler sind dazu gekommen, die begeistert mitmarschieren. Der Jüngste ist 11 Jahre alt.

Am Karfreitag und Karsamstag geht die Rassel-Bande jeweils drei Mal durch das Dorf: um 6, 12 und 18 Uhr, den Zeiten des Angelus-Gebets. Zusätzlich bitten die Männer im Dorf um Spenden. Das machen sie jedes Jahr so. Mit dem Geld unterstützen sie Gruppen und Initiativen im Dorf, von den Messdienern bis zur Jugendfeuerwehr. HINTERGRUND

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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